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Root For Ruin

Les Savy Fav

Alte Männer des US-Postcore, so lebendig wie keine andere Band ihrer Generation.
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Alte Männer des US-Postcore, so lebendig wie keine andere Band ihrer Generation.

Sie sind eine der letzten alten Underground-Referenzen des US-Postcore, prägend für eine ganze Legion an Rockbands und trotzdem immer noch unterhalb des Radars des Indie-Mainstream: Les Savy Fav aus New York. Eine dieser Bands aus der Indie-Rock-Gründerzeit der mittleren 1990er, die es schafften, über einen langen Zeitraum hinweg eine ohne Einschränkung souveräne Diskografie hinzulegen und trotzdem nicht zum vergesellschafteten, bewusstlosen Gemeingut zu werden. Und im Gegensatz zu Bands wie Q And Not U oder At The Drive-In gibt es Les Savy Fav auch heute noch, und immer noch stehen sie in vollem Saft.

Mit ihrem 2007 nach mehrjähriger Studiopause veröffentlichten vierten Album „Let’s Stay Friends“ läutete die Band einen kleinen, aber feinen Paradigmenwechsel ein, der sich auf der neuen Platte „Root For Ruin“ fortsetzt: Im Gegensatz zu den früheren Werken wie etwa dem Meilenstein „Go Forth“ hat das Quintett eine dicke Schicht Dreck von seinen Songs abgetragen. Früher wie heute sind Les Savy Fav keine vertrackte Noise-Band, wie hin und wieder geschrieben wurde, sondern unterlegen ihre Melodien mit einer hemmungslos punkigen und sehr direkten Dynamik, die durch Noise, Feedbacks und die Eskapaden des singenden Derwischs Tim Harrington nur leicht verbrämt wurde. „Let’s Stay ...“ und „Root ...“ sind da deutlich konzentrierter, die Band biedert ihren Sound aber im Gegensatz zu vielen musikalisch ähnlichen Zeitgeist-Bands an nichts an. Wieso ihnen gelingt, woran andere scheiterten, ist schwer zu beschreiben. Aber schon der Start von „Root ...“ mit „Appetite“ und „Dirty Knails“ ist wieder überzeugend, ohne dass sie auch nur ansatzweise vorgaukeln müssten, das Rad neu zu erfinden.

Das sind ganz schlanke Rhythmus-Schusswechsel zwischen Bass und Gitarre, ein einfacher, rasanter Beat und von Tonarten ziemlich losgelöst der kreischende Glatzkopf Harrington. Das ist auch schriller Freigeist wie in „Poltergeist“ und „Clear Spirits“ oder unbekümmerte Dreistigkeit wie in der Pixies-Gedächtnisnummer „Let’s Get Out Of Here“. Das ist Punkrock, wie er nur noch selten so funktioniert, zeitweise bei den Thermals und davor und danach bei Les Savy Fav. Vielen mögen Les Savy Fav zu altbacken klingen, eben nach dem Indie-Rock der 1990er, und ganz falsch ist das nicht. Tatsächlich waren sie nie die Band mit der großen musikalischen Vision. Ähnlich wie etwa The Hold Steady rocken Les Savy Fav bodenständig, sie bringen aber etwas anderes mit: das von Vorbildern wie z. B. Fugazi geprägte Bewusstsein für die Bedeutung von Haltung. Das drücken Musik, Texte und Gestus aus, und das ist es, was sie von Hunderten ähnlich klingender Bands abhebt.

In drei Worten: Senior / Schlau / Punkrock