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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

XI. Festival International de Benicàssim

Lernen von den Alten

04.-07.08. Spanien, Benicàssim, Festivalgelände Man kam nicht um Schuldgefühle gegenüber den Kollegen herum beim diesjährigen FIB. Während die anderen vom Haldern und Splash Regengüsse smsten, gab es aus Spanien erwartungsgemäß nur Sonne, Strand und jede Menge gute Musik zu vermelden. Zugegeben,
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04.-07.08. Spanien, Benicàssim, Festivalgelände

Man kam nicht um Schuldgefühle gegenüber den Kollegen herum beim diesjährigen FIB. Während die anderen vom Haldern und Splash Regengüsse smsten, gab es aus Spanien erwartungsgemäß nur Sonne, Strand und jede Menge gute Musik zu vermelden. Zugegeben, unter den mehr als 30.000 Besuchern (ein neuer Festival-Rekord) waren auch 8.000 Engländer, aber die wollen ja auch nur spielen mit ihren für uns normale Alkoholiker unmenschlich groß anmutenden Bierbechern in der Hand. Ansonsten blieb auch dieses Jahr alles beim Alten: Noch immer regiert der Trend, dass die Generation Frührentner es richten muss - und einmal mehr auch erfolgreich tat.

Nach den Beach Boys und Kraftwerk im letzten Jahr spielten diesmal u. a. die Lemonheads, The Cure, Nick Cave, Oasis und Dinosaur Jr. auf. Vor allem Letztere waren schlichtweg der Wahnsinn - so schön klang die Gitarre von J. Mascis schon lange nicht mehr. Die Lemonheads schauten sich das Spektakel ähnlich beeindruckt wie wir von der Bühnenseite headbangend an - sie selbst hatten vorher ein klasse Set vorgelegt, bei dem sich Evan Dando zur Abwechslung mal nicht wie ein Raver auf der Afterhour zeigte, sondern so frisch und gut aussah wie zuletzt anno 1990 im Juze Backnang. Nick Cave spaltete unsere kleine Reisegruppe. Während der eine in Melancholie verfiel, grauste es den anderen. Dieser Mann verdient allen Respekt der Welt für das, was aus ihm in der Vergangenheit herauskam (und was er - dafür - in sich einführte), aber kickboxend, mit Mooshammer-Gedächtnisfrisur muss man ihn trotzdem nicht mehr anschauen - überhaupt fiel einzig Schlagzeuger Thomas Wydler (früher auch bei Die Haut) mit akzeptablem Styling auf bei den Bad Seeds. Ähnlich ging es mit The Cure. Hören wollte man es gerne, aber Robert sehen, frei nach Tocotronic: Nein danke. Eine positive Überraschung hingegen Oasis: verdammt guter Sound - was es ausmacht, wenn man einfach ein bisschen leiser spielt und so den Songs die Möglichkeit gibt, zu atmen ... -, konsequent britische Arschloch-Attitude von Liam und jede Menge glückliche britische (und auch sonst) Gesichter.

Aber mal der Highlight-Reihe nach. Der Eröffnungsabend gehörte vor allem The Polyphonic Spree, die ein mitreißendes Konzert hinlegten - ausblenden musste man nur die sich immer mehr einfräsende Erkenntnis, dass das alles doch mehr Sekte ist, als einem recht sein kann. Am Freitag feedbackrockten Yo La Tengo kolossal, bevor anschließend die Basement Jaxx alles wegpusteten mit ihrem Dance-Spektakel. Wer es distinguierter mochte, der konnte sich an Four Tet und Prefuse 73 halten. Am Samstag fanden die Lado Music Night (mit The Robocop Kraus, Ascii.Disko, Egoexpress, Sid Le Rock und Lawrence) sowie die Areal Night (mit Ada, Frank Martiniq, Metope, Basteroid und Jan-Eric Kaiser) statt - und beide wussten ihre Zelte souverän zu rocken. Am Sonntag begeisterten vor allem Roisín Murphy und Matthew Herbert (mit einem DJ-Set, das so manchen Fulltime-DJ blass werden ließ, beispielsweise den danach eher enttäuschenden Andrew Weatherall). FIB 2006 - wir kommen wieder. Keine Frage.