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Guru live

Legende sein sells

12.11.2004, Basel, Sommercasino Freitag neun Uhr stehe ich vor der Tür des Sommercasino in Basel und friere. Wieso? Guru, die lyrische Hälfte von Gang Starr ist zu Besuch - eine gottverdammte Legende. Eine Aussage, die mir im Laufe des Abends, allein von der Vorband, bestimmt ein Dutzend Mal um d
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12.11.2004, Basel, Sommercasino

Freitag neun Uhr stehe ich vor der Tür des Sommercasino in Basel und friere. Wieso? Guru, die lyrische Hälfte von Gang Starr ist zu Besuch - eine gottverdammte Legende. Eine Aussage, die mir im Laufe des Abends, allein von der Vorband, bestimmt ein Dutzend Mal um die Ohren geschmettert wird. Aber ich greife vor, die Tür geht endlich auf und ab ins Warme. Das Sommercasino, ist ein gemütlich rustikaler Laden, der so ca. 500 Personen fasst und sich auch recht schnell füllt. Die Bühne ist nur einen halben Meter hoch, einen Graben gibt's nicht, alles in allem also ein idealer Ort für ein publikumsnahes Konzert.

Die Vorband sind ein paar junge Typen aus Basel, Amici del Rap, die Gewinner eines hiesigen Nachwuchscontests. Die Jungs legen sich auch für ca. eine Stunde mächtig ins Zeug und sorgen für Stimmung. Es folgt die obligate Pause. Eine Security-Kolonne bahnt sich ihren Weg durch die Menge. Mitten drin, mit einem Handtuch über dem Kopf, wie bei einem Boxkampf, Guru. Erste Offenbarung des Abends, der Junge ist kleiner als ich (ich bin nicht gerade gross...). Momente der Spannung, dann betritt Solar, seines Zeichens Anheizer, Backup-MC und Bilderbuch-Homie, die Bühne und stimmt das Publikum auf das kommende Ereignis ein. DJ Doo Wop taucht unauffällig hinter seinen Plattenspielern auf, die ersten Beats erklingen und schon geht's los. Guru springt auf die Bühne, klatscht mal locker die Frontreihe ab und stellt sich auch gleich vor, "ok, ok. My name is Gifted, Universal, Rhymes Unlimited", "yeah, yeah, representing GangStarr, Jazzmatazz and Doo Wop". Jaja, eine verdammte Legende halt, mit Hut und Sonnenbrille, genau wie auf den Pressephotos. Routiniert geht's zur Sache, mit Tracks wie 'The Militia' über 'Skillz' bis hin zu 'Full Clip' und ein paar Nummern von Jazzmatazz folgt Hit auf Hit. Die Halle kocht, und die Party kommt richtig in Schwung.

Aber dann - wäre es doch nur beim rhymen geblieben! Tja, Guru ist halt Profi, und das heisst gleichzeitig Businessman und so sind die Zwischenansagen dann auch gespickt mit Hinweisen auf jede Menge toller Guru-Produkte. Versteht mich hier bitte nicht falsch, Eigenwerbung ist ja legitim, aber bitte in geschmackvollen Grenzen. Wenn man wie Guru seine Millionen im Keller und seine Goldketten sonst wo hängen hat, muss man sich nicht unbedingt gebärden wie bei QVC. So ist dann auch nach der zweiten Zugabe und 75 Minuten Party Schluss. Guru zieht sich unter mehrmaligem Hinweis auf diverse Merchandising-Artikel, deren Preis und seine fortgesetzte Anwesenheit als Autogrammgeber von der Bühne zurück. Immerhin cool für die Kids, die so ihr Idol noch mal hautnah erleben und vielleicht auch noch ein Autogramm einsacken können. Am besten gleich auf einen Artikel der Marke "Guru".