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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Cake Or Death

Lee Hazlewood

Nun also: ein letztes Album. Ein allerletztes. Lee Hazlewood nimmt seinen Hut, und seine Fangemeinde von Sonic Youth bis Nick Cave wird selbigen vermutlich nicht zum letzten Mal vor ihm ziehen. Hätte Johannes B. Kerner diese Kritik schreiben dürfen, er hätte wohl gewohnt seifig von „einem ganz Große
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Nun also: ein letztes Album. Ein allerletztes. Lee Hazlewood nimmt seinen Hut, und seine Fangemeinde von Sonic Youth bis Nick Cave wird selbigen vermutlich nicht zum letzten Mal vor ihm ziehen. Hätte Johannes B. Kerner diese Kritik schreiben dürfen, er hätte wohl gewohnt seifig von „einem ganz Großen des Rock’n’Roll“ gesprochen, was Hazlewood freilich irgendwo zwischen Presley, Lennon und Dylan einordnet und ihn damit eben nur in eine Reihe stellt, obwohl ihm in diesem Pantheon doch wohl ein eigener Eingang zusteht. Nun also: „Cake Or Death“, Kuchen oder Tod – gewissermaßen die Entscheidungszwickmühle des Rentners. Wie er letztlich abtreten wird, steht Gott sei Dank noch in den Sternen, seinen Abgesang liefert er aber schon mal vorausblickend. Und was für einen! Die Kollaborateure standen Schlange, aber er hat gewissenhaft gewählt: Bela B. veredelt den Twang von „The First Song Of The Day“, der auch einem Tarantino-Score gut zu Gesicht gestanden hätte, Hazlewood singt „Some Velvet Morning“ mit seiner achtjährigen Enkeltochter und das grandiose „Please Come Back To Boston“ mit der schwedischen Jazzsängerin Ann Kristin Hedmark. Davor, dazwischen und danach begeistert sein ureigenes Gemisch aus zynischer State-of-the-World-Address („Baghdad Knights“ bzw. „Anthem“), Rock’n’Roll-Noir („Sacrifice“) und in „Fred Freud“ ein merkwürdiger Schulterschluss aus Psychoanalyse und klassischer Musik – Woody Allen würde es gefallen. Sein größter Hit „These Boots Are Made For Walking“ erscheint in einer Art „Twin Peaks“-Version, und beim abschließenden und hochdramatischen Farewell „The Old Man“ möchte man rufen: ein Königreich für ein Pferd. Und einen Sonnenuntergang.