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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Mnestic Pressure«

Lee Gamble

Flirrende Visionen der nahen Zukunft – Lee Gambles »Mnestic Pressure« dissoziiert festgefahrene Hörgewohnheiten inmitten surrealer Klanglandschaften.
Geschrieben am
Ähnlich wie ein Alchemist ist der aus Birmingham stammende Soundtüftler Lee Gamble stets an der Umwandlung des Bestehenden in etwas Neues interessiert. Durch Sublimation, Destillation und Transmutation wird aus Asche Stein, aus Sand Metall, aus Eisen Gold oder, wie hier: aus Samples abstürzender Software und verzerrter Oszillatoren eine Sammlung komplementärer Geräuschskulpturen. Die Verwandlung des Materials ist nicht nur praktisches Experiment, sondern auch Sinnbild für die Entwicklung der dahinterstehenden innerpsychischen Prozesse zwischen Zersetzung und Rückführung. »Mnestic Pressure« mutet dem Hörer zu, Zeuge dieser Prozesse zu werden und deren unvorhersehbaren Veränderungen auf sich einprasseln zu lassen.

Oft nehmen die 13 Tracks des Albums dabei eine in allen Frequenzbereichen ausgefranste Tonalität an, wirken aber trotzdem ästhetisch und bergen außerirdische Melodien, die sich erst im Laufe des dritten bis vierten Durchlaufs mehr oder weniger offenbaren. Dabei klingt die gesamte Produktion durch ihre feinen Details sehr handgemacht, konturiert, ohne Schliff. Nachdem das 2014 erschienene »Koch« zwischen Ambient-Dub, Outsider-House, aber auch Industrial Techno oder IDM waberte und Gambles Ruf als nahezu unwirklich talentierten Produzenten mit entrückendem Sounddesign festigte, ist »Mnestic Pressure« die konsequente Fortentwicklung dessen – ohne Tanzbarkeit, ohne Kompromisse, ohne Entrinnen.

Lee Gamble

Mnestic Pressure

Release: 20.10.2017

℗ 2017 Hyperdub