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LCD Soundsystem

LCD Soundsystem

Zuerst kam ›Losing My Edge‹ vom LCD Soundsystem. Das Distorted-Disco-Verwirrspiel. Der Nicht-Rock-nicht-House-Steiler im Keiner-mag-mich-Modus, der es 2002 zur single of the week beim NME schaffte. »I was the first guy playing Daft Punk to the Rock Kids, at the CBGB’s ...« salbaderte James Murphy
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Zuerst kam ›Losing My Edge‹ vom LCD Soundsystem. Das Distorted-Disco-Verwirrspiel. Der Nicht-Rock-nicht-House-Steiler im Keiner-mag-mich-Modus, der es 2002 zur single of the week beim NME schaffte. »I was the first guy playing Daft Punk to the Rock Kids, at the CBGB’s ...« salbaderte James Murphy drauflos, gab mit seinen Fehlinformationen die richtige Antwort auf Türsteher-Headsets vor Nichtraucherclubs, aber auch auf distinguierte Desksharks mit zu viel Hipness. Man hörte ›Losing My Edge‹ den Schalk im Nacken an, genauso wie das Zweite-Hand-Wissen um Mash-up, Disco-Edits oder Punk-Funk-Grooves. Bis auf den heutigen Tag brennen die 15 Minuten »antikes Vergnügen pur« (Uli Potowski beim World Domino Day auf RTL am 12.11.2004) lichterloh. Dabei war das nur der Anfang für wohl dosierte Singles des DFA-Labels, von Typen mit beknackten Namen wie The Juan Maclean und einem Low-Budget-Profil, um die Presse noch ein bisschen kirre zu machen. (Gerade aktuell mit der LCD-Soundsystem-Single ›Movement‹.) James Murphy und Tim Goldsworthy, die beiden DFA-Betreiber, haben über gemeinsame musikalische Vorlieben von Liquid Liquid über Spizz Energy bis Robert Palmer und über ähnlich negative Erfahrungen mit dem Musicbiz (Nickauguste für Promis) zusammengefunden. Wenn dabei Tracks wie ›Casual Friday‹ von Black Leotard Front (auf der neuen DFA-Compilation) rausspringen, sollte ihr Leidensweg Schule machen: Wieder 15 Minuten Trommeltanz, der von einem mit starkem amerikanischen Akzent deutsch redenden Typen sarkastisch gehijackt wird: »Ich verließ das Büro, zog meinen Mantel an, wollte dich überraschen, mit meinem Fleisch ...« Helmut Berger spricht auf der anderen Leitung. Dieses aufgescheuchte Huhn von Labelsound ist mit Methode durchgeknallt, weil sich die Clique den ganzen Zitatenschatz von Dancefloor schnappt und an seinem Mythos strickt. Die Drums sind knackig, Gitarren beißen wie Rauch, und der Bass erstaunt. Ich meine, die Achtzigerjahre kann wirklich jeder zitieren, aber niemand schmeißt sie so elegant mit den Neunzigern zusammen wie diese Schwarzarbeiter aus New York. Keiner legt beim Gesang mehr Verachtung in die Stimme. Dann wäre da noch das Debütalbum vom LCD-Soundsystem (demnächst noch weit mehr im Intro dazu). Auch so ein hingerotzter Gemischtwarenladen mit Boogie, Beats, aber auch Songstrukturen, Taschenmelodramen. Kein Konzeptalbum, sicher, aber wieder ein Hit (›Daft Punk Is Playing At My House‹), jede Menge ungehobelte Energie und die Lizenz zum Tanzen.