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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Die Live-Vorschau 2007

Laut in die Zukunft

Rückblick, Rückblick, Rückblick: Man kann es ja so langsam nicht mehr hören. Klar, es ist eine schöne Sache, wenn man ein Musikjahr, auf die Highlights runtergedampft, irgendwo zum Abheften hat. In zwanzig Jahren wird man sich das bestimmt noch mal anschauen. Und auch die eigenen Ergänzungen, das me
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Rückblick, Rückblick, Rückblick: Man kann es ja so langsam nicht mehr hören. Klar, es ist eine schöne Sache, wenn man ein Musikjahr, auf die Highlights runtergedampft, irgendwo zum Abheften hat. In zwanzig Jahren wird man sich das bestimmt noch mal anschauen. Und auch die eigenen Ergänzungen, das melancholische Sinnieren über einem Rückblicksartikel oder einer Jahres-Top-225, das zufriedene Resümieren "So gut/mittelmäßig/beschissen wird es nie wieder" – das alles macht man ja auch gerne mit. Aber man muss auch loslassen können.

Rückblicken war also gestern. Den Blick gen ferne Zukunft gerichtet! Und da gerät so einiges ins Sichtfeld. Muse zum Beispiel. Die Altrocker lassen auf der Bühne ein Raumschiff landen. Justin Timberlake spielt endlich ein Konzert zu seinen berühmten 'Orlando Recordings', die er mit Rick Rubins Sohn Mick eingespielt hat. Westernhagen ist der erste Künstler, der sich live wiederbeleben lässt, um ein Stadionkonzert zu spielen – erster Song: 'Mit Achtzehn'. Muse lassen auf Knopfdruck die Welt zum Schlussakkord von 'Apocalypse, Please' untergehen. Hoppla, falsches Jahr. Bis dahin vergehen noch ein paar Dekaden.

Zurück in der nahen Zukunft sieht man schnell, dass das Konzertjahr 2007 keiner großen Ankündigungseuphorie bedarf: Die bisher bestätigten Acts sind Highlight genug. Und erfahrungsgemäß wird noch der ein oder andere große Name hinzukommen. Wobei es die Größe ja bekanntlich nicht macht. Oft sind es die kleinen Indie-Lieblinge, die ein paar hundert Menschen aus allen Ecken des Landes in eine Stadt locken, siehe Sufjan Stevens in Köln. Einen ähnlichen Darlings-Status genießt ja auch Ben Folds. Vor wenigen Jahren musste man ihn noch per Online-Petition nach Deutschland bitten, jetzt kommt er ohne besondere Aufforderung im Februar für den üblichen Köln-Berlin-Hamburg-München-Quickie. Der soundverwandte Mützenträger Badly Drawn Boy legt Anfang des Jahres auch noch ein paar Termine nach, ebenso die Rifles, die augenscheinlich Gefallen an hiesigen Gefilden gefunden haben – und umgekehrt.

Überhaupt bleibt England ein bestimmendes Thema. Schließlich erscheinen in der ersten Jahreshälfte die neuen Alben von Bloc Party, den Kaiser Chiefs und angeblich auch von Maximo Park. Und die wären allesamt schön blöd, wenn sie vergessen hätten, wo die UK-Hypemaschine fast so gut lief wie in ihrer Heimat. Bestätigt sind bisher aber nur vier Bloc-Party-Shows im Mai. Außerdem schauen Kasabian, Snow Patrol und Razorlight noch einmal vorbei. Auch schön.

Bei der Reimreiterfraktion springt besonders das Doppelpack Snoop Dogg und P. Diddy in Ohr und Auge. Da fragt man sich doch schon im Vorfeld, ob Shizzle-Snoop das aushält. P.Diddys Ego muss man echt erst mal unter den Tisch kiffen können. Nach Auftritten bei diversen Intro-Geburtstagsfeiern beglückt Dendemann Ende Januar sogar Weltstädte wie Gießen und Lingen. Guter Plan, wer will denn schon immer das verwöhnte Metropolen-Publikum bespaßen. Ach ja, Prinz Porno, pardon, Prinz Pi schwingt sich mit dem Berliner Gossen-Phänomen K.I.Z. auf große 'Donnerwetter'-Tour. Und noch was fürs Auge: Tommy The Clown und seine HipHop-Clowns performen ihre wilde Krumpin'-Tanzshow Ende Januar auf deutschen Bühnen. Seit dem David-LaChapelle-Film 'Rize' schwimmt diese aggressive Art des Tanzens auf einer Erfolgswelle, die man vielleicht mit dem Breakdance-Hype in den Achtzigern vergleichen könnte. Getanzt wird auch bei Beyoncé und Justin Timberlake. Beide schaffen es im späten Frühjahr endlich über den großen Teich, übrigens präsentiert von Intro. Der zuständige Kollege klopft sich angeblich noch immer auf die Schulter. Hat er ja auch allen Grund zu.Hart macht schnell macht laut macht live. Fans der härteren Gangart freuen sich vielleicht schon auf die Touren der Deftones, Billy Talent, Incubus und Eagles Of Death Metal. Ab Mai tauchen die Beatsteaks dann endlich wieder aus der Studioversenkung aus, um ihr neues Album zu betouren – das bestimmt großartig wird. Hoffentlich haben sie danach noch genug Kraft, auch ein paar der großen Festivals zu rocken. Und wo wir schon bei lang ersehnten Rückkehrern sind: Trent Reznor aka Nine Inch Nails hat Ende März fünf Termine festgenagelt. Wie war das noch? 'I wanna rock you like an animal!' – oder so ähnlich.

Bei den heimischen Acts kann man sich wundern, dass Juli gemeinsam mit Tele und Beatplanet auf Tour gehen. Sucht da wer eine neue Zielgruppe? 2Raumwohnung tauschen selbige ab März gegen einen Tourbus, und Virginia Jetzt! bespielen nach ihrer Juze-Tour nun wieder größere Locations. Da haben sie auch Platz für ihre Freunde Roman Fischer, Samba und Justin Balk. Äh, und diese Sensationsmeldung kam eben noch frisch rein: Herr Grönemeyer kehrt auf die Stadienbühnen zurück. Hatte er nicht die Abschiedstour schon hinter sich? Von einer solchen ist Bob Dylan natürlich immer noch weit entfernt. Sein jährlicher Deutschlandbesuch findet diesmal im April statt.

Neues aus den Intimbereichen Köln und Berlin gibt es ebenso zu vermelden. Unsere monatliche Konzertreihe Intro Intim geht weiter und ist bis April im Kasten beziehungsweise gebucht. Im Januar spielen dort Lo-Fi-Fnk, Shitdisco und The Pigeon Detectives auf, im Februar The Album Leaf, Werle & Stankowski und The Jai Alai Savant, im März Polarkreis 18, Karpatenhund und Love Of Diagrams. Im April kommen dann !!! (die zu der Zeit auf Deutschlandtour sind) und The Blow. Außerdem findet in ganz naher Zukunft (nämlich am 13. Januar) das 'Intro Intim Presents Hot Shit' im Rahmen des Eurosonic-Festivals in Groningen statt. Mit dabei sind Mika, Navel, Clickclickdecker, Finn, About und Fat Jon & Styrofoam.

Wem es jetzt schon wieder in den Fingern juckt, der kann ja schon mal seinen lokalen Ticketdealer kontaktieren. Allen anderen sei geraten, den persönlichen Jahresrückblick zufriedenstellend über die Bühne zu bringen, um sich dann ab Januar wieder zufrieden vor die Bühnen zu stellen. Damit auch im kommenden Jahr wieder die Musikindustrie durch die Konzertbesucher gerettet wird. Und damit man auch 2007 wieder mit verrauchten Klamotten, fiependen Ohren, breitem Grinsen und ungesunden Adrenalinwerten aus den Locations dieser Welt wanken kann.