×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Sprühpflaster für die Seele

Laura Veirs

06.08.06, Studio 672, Köln. Das kleine, hübsche, unterirdische Studio 672 ist voll und heiss. Vorne steht Thao Nguyen mit ihrer Gitarre. Die zierliche Amerikanerin asiatischer Herkunft überzeugt und füllt den Raum mit ihrer besonderen, weichen, aber widerspenstigen Stimme, einer kleinen Achterbahn m
Geschrieben am
06.08.06, Studio 672, Köln. Das kleine, hübsche, unterirdische Studio 672 ist voll und heiss. Vorne steht Thao Nguyen mit ihrer Gitarre. Die zierliche Amerikanerin asiatischer Herkunft überzeugt und füllt den Raum mit ihrer besonderen, weichen, aber widerspenstigen Stimme, einer kleinen Achterbahn mit Looping gleich, und ihren liebevollen, bluesangelehnten Folk-Stücken ihres Albums "Like The Line".

Laura Veirs, der Hauptact, tritt bald darauf mit einer reduzierten gequälten Seele auf, was heißt, dass ihre Band, die Tortured Souls (zu denen hin und wieder auch der Gitarrist Bill Frisell gehört) nur als Duo mit dem Kampfnamen "The Tortured Trombonist And Drummer" erscheint. Die meisten Songs des Abends stammen von ihrem fünften Album "Year Of Meteors", das 2005 zu meinen liebsten Veröffentlichungen überhaupt gehörte. Die Songs sind so stark wie ein Drahtseil über einem Canyon. Charakteristisch für die Musik der Veirs sind die sich immer wieder in ihre Texte einschleichenden Naturverweise. Es ist eben in der sehr genau beobachtenden Lyrik nicht zu überhören, dass sie, die auch eine kluge coole nette Biologin oder Physiotherapeutin sein könnte, im Brotjob Geologin ist. Ihre Musik ist wie ein kühles Tuch auf einem erhitzten Gemüt, Sprühpflaster für die gehetzte Großstadtseele. So klar und stark, sensibel und tief. Vielleicht ein bißchen wie Suzanne Vega, Penelope Houston oder Bettie Serveert.

Gegenüber den umwerfend arrangierten und gekonnt mit Sounds versehenen Songs in der Album-Version, ist das hier natürlich kathartischer, rauer, bluesiger und weniger ätherisch. Dafür bekommt man eine Posaune (wenn ihr Küsser nicht gerade Bass spielt), männlichen Backgroundgesang und eine wider Erwarten gar nicht scheue Laura Veirs, die konstatiert, dass dies nach Bordeaux ihr zweitheißester Gig überhaupt sei. Ganz zum Schluss kommt sie nach minutenlangem Applaus noch mal für einen Song allein mit ihrer Gitarre. Aber auch so füllt sie den Raum mit Atmosphäre, mit der speziellen Atmosphäre einer ganz besonderen Songwriterin.