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Intro Intim Oktober in Köln

Last Entertainer Standing

18.10.05, Köln, Gebäude 9 Auch wenn der Herbstbeginn ja eigentlich erst auf den kommenden Sonntag datiert ist: wettertechnisch hat er hierzulande wohl doch schon Einzug gehalten. Da kam dem ein oder anderen der gestrige intime Konzertabend wohl gerade recht, um den anstehenden jahreszeitspezifisc
Geschrieben am

18.10.05, Köln, Gebäude 9

Auch wenn der Herbstbeginn ja eigentlich erst auf den kommenden Sonntag datiert ist: wettertechnisch hat er hierzulande wohl doch schon Einzug gehalten. Da kam dem ein oder anderen der gestrige intime Konzertabend wohl gerade recht, um den anstehenden jahreszeitspezifischen Bedürfnissen schon mal nachzukommen. Und so fanden sich letztendlich rund 250 Menschen im Gebäude 9 ein, die sich - wenn auch mit unterschiedlichen Bandprämissen bestückt - von diesem Abend etwas Intimität und Wärme erhofften.

Den Auftakt bildete das berlin-kreuzberg´sche, vierköpfige Bandgefüge namens Gods Of Blitz. An der Kasse arbeitend, konnte ich mich von deren Live-Qualitäten zum Großteil nur vom Hören-Sagen überzeugen. Allerdings ließen mich die schweißtriefenden Körper, die sich mir nach dem Auftritt offenbarten, zu der Überzeugung gelangen, dass man wohl auch die passende Show dazu geliefert hatte. Ärgerlich für mich, gut für die, die nicht an der Kasse standen.

Pünktlich zur zweiten, ebenfalls aus Berlin stammenden Band des Abends Hund am Strand konnte ich mich dann aber endlich in den Konzertraum begeben. Dieser war dann auch schon gut gefüllt (wobei sich das schüchterne Publikum allerdings nicht bis ganz nach vorne traute und 1 bis 2 Meter respektvollen Abstand ließ). Zuhause von mir schon öfters als CD konsumiert, war ich doch sehr auf die Live-Umsetzung gespannt. Die Songs, und vor allem auch der Gesang von Fabian Schwinger, konnten aber genauso überzeugen wie auf Platte und es wurde niemand gesichtet, der sich nicht zum Mitbewegen animiert fühlte. Gerade auch während der zwei vorgetragenen Non-Album-Tracks konnte man spüren, dass hier nichts falsch gemacht wird und man die Sympathien des Publikums auf seiner Seite hat. So wurde gespielt, geplaudert, gewitzelt und schließlich, um dem Zugabenwunsch nachzukommen, mit "4 Akkorde", das man auch schon als Opener gespielt hatte, ein runder Auftritt beendet.

Last but not least - es war mittlerweile 23.15h - enterte dann Bernd Begemann - Singer/Songwriter-Monolith aus deutschen Landen, begnadeter Entertainer vor dem Herrn und Rampensau allererster Sahne - mit seiner Band Die Befreiung die Bühne. Vom Grand Hotel Van Cleef-Label gepusht und mit aktuellem Album "Unsere Liebe ist ein Aufstand" im Gepäck wurden hier alle Register der Entertainment-Kunst gezogen. Wer wollte, konnte was das angeht, mal wieder richtig was lernen. Und so wurde ein Stück wie "Unsere Band ist am Ende" gerne mit über 15 Minuten Spielzeit zum Besten gegeben, da zwischendurch immer auch kommuniziert wurde. Sowohl mit dem Publikum, als auch mit der Band, die scheinbar mühelos auf die sprachlichen, begemann´schen Eskapaden einzugehen wusste und sich großartig in die Show einfügte, statt als bloße Backing Band im Hintergrund zu fungieren. Vom ersten Augenblick an konnte das Publikum einen 150% gebenden Begemann erleben, der immer noch nicht in die Jahre gekommen zu sein scheint und der tanzte, gestikulierte und spielte, wie man es selten auf deutschen Bühnen zu sehen bekommt.

Irgendwann musste ich dann zur letzten Bahn eilen. Wie mir berichtet wurde, es muss so gegen 2.00 Uhr gewesen sein, als der gute Bernd endlich das Gefühl hatte, alles gegeben und keinen Zuschauerwunsch unberücksichtigt gelassen zu haben. Und so lässt sich der Herbst doch schon mal mit der Erinnerung an einen schönen, warmen, intimen Abend prächtig angehen.