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Die neuen Kinosaurier

Lars Ulrich über »Metallica – Through The Never«

Metallica-Drummer Lars Ulrich spricht über den Dokumentarfilm und verrät, dass bald auch ein neues Album denkbar ist.
Geschrieben am

Lars, deinen letzten großen Leinwandauftritt hattest du in der Doku »Metallica: Some Kind Of Monster«. Hast du dich für »Metallica – Through The Never« wieder auf die Psycho-Couch gelegt?

Nein, keine Sorge. Unsere Konflikte sind dieses Mal außen vor geblieben. Außerdem ist »Through The Never« keine Doku, sondern ein Spielfilm vor dem Hintergrund eines Konzerts. Der Gig findet in Echtzeit statt. Währenddessen folgt die Handlung unserem Laufburschen Trip. Sein Abend nimmt eine ungeahnte Wendung, als er für ein paar Besorgungen losgeschickt wird.

 

Metallica spielen also nur eine Nebenrolle?

Im Mittelpunkt steht tatsächlich dieser Typ, der von Dane DeHaan gespielt wird. Der ist spätestens in zehn Jahren der größte Filmstar der Welt. Darauf wette ich!

»Through The Never« ist also nicht Metallicas Antwort auf »The Wall«?

Nein. Schon deswegen nicht, weil bei uns keine Cartoon-Elemente mit ins Spiel kommen. Der Film ist auch anders als Led Zeppelins »The Song Remains The Same«, weil man uns nur auf der Bühne sieht. Und im Gegensatz zum U2-Film geht es nicht um eine Tour, sondern um einen Abend. Dieses Konzert wurde extra für den Film veranstaltet. Das Publikum besteht aus Statisten.

 

 

Wie habt ihr den passenden Regisseur für eure Idee gefunden?

Ich habe mit vielen Regisseuren gesprochen. Einer der obersten auf meiner Wunschliste war unser guter Freund Anton Corbijn. Aber er steckte schon bis zum Hals in der Arbeit zu »A Most Wanted Man«. Nimród Antal entpuppte sich schließlich als verrückt genug, um zu uns zu passen. Er wurde zu einem echten Kreativpartner und hat sich die gesamte Handlung mit Trip ausgedacht.

 

 

Warum wurde »Through The Never« im IMAX-Format gedreht?

Vor 15 Jahren liefen in den IMAX-Kinos nur Filme über Dinosaurier, Bergsteiger oder Tiefseetaucher. Die Idee eines IMAX-Konzertfilms gefiel uns damals schon gut. Allerdings waren die Kameras noch so unhandlich, dass sich das, was uns vorschwebte, einfach nicht machen ließ.

 

 

 

 

Und was schwebte euch vor?

Die meisten Konzertfilme nehmen eine Außenperspektive ein: Alle Kameras sind auf die Bühne gerichtet, genau wie die Blicke des Publikums. Bei uns dagegen sind die meisten Kameras nun direkt mit auf der Bühne – und haben 360-Grad-Bewegungsfreiheit. Es geht weniger darum, ein Metallica-Konzert zu sehen, als darum, Bestandteil davon zu sein. Deswegen erschien uns die 3D-Technik ideal.

Haben die Songs im Film etwas mit der Handlung zu tun?

Nein, gar nicht. Wir haben einfach Songs gespielt, die man kennt: »Enter Sandman«, »Fuel«, »For Whom The Bell Tolls«.

 

Sind die Krisen denn vollständig überwunden, um die es in »Some Kind Of Monster« ging?

Im Zuge der Beinahe-Katastrophe haben wir gelernt, miteinander umzugehen. Natürlich gibt es mal kreative Differenzen, aber keinen richtigen Streit. Die Stimmung in der Band ist wirklich gut. Vielleicht haben wir so lange keine neue Platte mehr aufgenommen, weil wir Angst haben, dass wir uns doch wieder in die Haare kriegen könnten. Eingesperrt in einem kleinen Aufnahmestudio ist das mit der Harmonie ja doch gleich wieder schwieriger. Aber früher oder später werden wir es wieder wagen.

 

War »Some Kind Of Monster« das Beste, was Metallica passieren konnte?

Nein, das Beste, was unserer Band – unabsichtlich! – passiert ist, war, dass wir alle zu einer ähnlichen Zeit Väter wurden. Wenn man Kinder hat, hört man ganz automatisch auf, nur noch an sich selbst zu denken. Man registriert viel mehr, was um einen herum passiert. Außerdem haben wir endlich mal andere Themen als nur Metallica. Wenn ich heute neben James Hetfield im Flugzeug sitze, sprechen wir darüber, was unsere 14-Jährigen so treiben oder welche Probleme es gerade mit dem Kindermädchen gibt.

 

 

Die Tour als großer, Familien-übergreifender Ausflug mit Kind und Kegel?

Das vielleicht nicht. Aber mein Sohn, der dieses Jahr 15 wird, hat vor einiger Zeit angefangen, sich mit Hetfields Tochter, die im gleichen Alter ist, SMS zu schreiben. Ist das nicht furchterregend?! Ich habe ihm natürlich sofort untersagt, ihr irgendetwas über mich oder Metallica zu schreiben. Wer weiß, was da sonst bei Hetfield ankommt.

 

Wie schafft ihr es als Band, immer wieder neue Ideen zu entwickeln?

Zehn Tassen Earl Grey am Tag fördern eine gewisse nervöse Energie. Spaß beiseite: Hätten wir nicht solche Angst vor Stagnation und Wiederholung, gäbe es Metallica vermutlich nicht mehr. Bei jeder Gelegenheit, etwas Neues auszuprobieren, greifen wir beherzt zu. Egal, ob Lou Reed anruft oder wir die Idee für einen Kinofilm haben. Mehr als einmal haben wir unsere Fans irritiert. Aber damit können wir leben, denn nichts ist wichtiger, als dass wir selbst bei Verstand bleiben.

 

 

Wäre eine Bandkarriere wie die von Metallica heute noch möglich?

Wir alten Hasen spielen immer noch ganz vorne mit, von Iron Maiden über U2 bis zu den Red Hot Chili Peppers. Es gibt auch jüngere Bands wie Muse, aber nicht so viele. Von daher kann man schon vermuten, dass es heute schwieriger ist, den ganz großen – und vor allem dauerhaften – Erfolg zu haben. Ich würde mir wünschen, es gäbe viel mehr Bands, die das Publikum auf der ganzen Welt, mich eingeschlossen, wirklich umhauen.