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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Liverpooler Renaissance

Låpsley im Gespräch

»Die neuen Mädchen sind da«, sang Bernd Begemann einmal etwas machohaft von oben herab. Dabei brauchen die gar keine alten Männer, die sie ankündigen. Låpsley schon gar nicht. Seit ihrer ersten EP 2013 ist sie einer der hoffnungsvollsten Newcomer-Acts im schwermütig-sphärischen Electro-Pop. Wir stellten sie schon im vergangenen Jahr im Rahmen eines Newcomer-Specials vor, nun hat sie ihr Debüt vollendet. Steffen Greiner traf sie noch einmal in Berlin. 
Geschrieben am
»Mit dem Klavier fing ich an, als ich fünf war, aber der Grund, warum ich so viele Instrumente spiele, ist, dass ich nach einiger Zeit von allem gelangweilt bin. Sobald ich eine Sache einigermaßen gut meistern kann, will ich die nächste. Im Orchester war ich ziemlich frech, mit 14 schrieb ich meine eigene Musik, ließ das alles also hinter mir«, sagt Holly Lapsley Fletcher, echter Renaissance-Mensch. Sie ist und war Pianistin und Oboistin, Leistungssportlerin im Segeln, Geografie-Nerd, sicher gesetzt in den wichtigen To-Watch-Listen zumindest der britischen Inseln und nun, auf ihrem Debütalbum »Long Way Home«, endgültig in Erscheinung getreten als Architektin großer Pop-Klangräume, sparsam aufgefüllt mit todtraurigen Lyrics. 

Wir sprechen hier von einer 19-Jährigen. Wenn auch von einer, die bereits viel ausprobiert hat, um ihre Identität zu finden: »Ich habe eine kurze Aufmerksamkeitsspanne. Es ist schwierig, sich zu entscheiden, was man tun will, wenn man sich für so viele Dinge interessiert. Irgendwann merkte ich, dass ich diese kreative Seite habe, die ich wegen meines akademischen Interesses unterdrückte.«





 Fletcher gehört zur ersten Generation, die mit den Soundwelten von James Blake oder The xx aufgewachsen ist, aber ihre Musik leitet sich doch aus anderen Quellen ab: Klassisches Songwriting – die Melodie ist stets der Ausgangspunkt ihrer Stücke – trifft auf eine tiefe Liebe zur elektronischen Musik, die sie mit 14 auf heimlichen Streifzügen in die Liverpooler Clubszene entdeckte: »Ich war fasziniert durch den Kontrast. Ich schlich mich nachts raus und entdeckte Musik, die in meinem Umfeld niemand kannte, niemand mochte. Ich bewundere Musik, die Raum schafft.« Dabei wird Låpsley vermutlich nicht für ihre Musik in Erinnerung bleiben – wirklich Neues hat sie der Sound-Formel nicht hinzugefügt –, sondern eher für die Selbstverständlichkeit, das Charisma und die Reflexivität, mit der sie Musik macht. Und als weibliche DIY-Producerin, die sich den gängigen Deutungen weiblicher extravaganter Stimmen als bloße Marke männlicher Strippenzieher im Hintergrund widersetzt. 
Ich schlich mich nachts raus und entdeckte Musik, die in meinem Umfeld niemand kannte, niemand mochte.
Vielleicht ist das alles aber gar nicht so wichtig für den weiteren Werdegang Holly Fletchers. Denn auch wenn ihre Texte von gescheiterten Beziehungen handeln und der Klang niederdrückend schwer ist – »seit ich Musik veröffentliche, fühle ich mich glücklich. Das ist doch ein gutes Maß. Als ich mich auf das Lernen konzentriert habe statt auf Musik, war ich es nie so wirklich. Vielleicht habe ich das gerade jetzt gebraucht. Aber vielleicht kommt das andere auch wieder, und ich gehe doch noch zur Uni und studiere Geografie.«

Låpsley

Long Way Home

Release: 04.03.2016

℗ 2016 XL Recordings

– Låpsley »Long Way Home« (XL / Beggars / Indigo / VÖ 04.03.16) Auf Tour vom 21. bis 24.03.