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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Heft / 220 S. / EUR 9,90 / Glück und Schiller Verlag / mail@landpartie06.de

Landpartie 06

Zwei Schreibschulen gibt es in Deutschland: das Literaturinstitut Leipzig und den Studiengang Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Beide haben junge Literaturzeitschriften (EDIT, BELLAtriste), die schon einigen als Sprungbrett zu großen Verlagen dienten. Doch wäh
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Zwei Schreibschulen gibt es in Deutschland: das Literaturinstitut Leipzig und den Studiengang Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Beide haben junge Literaturzeitschriften (EDIT, BELLAtriste), die schon einigen als Sprungbrett zu großen Verlagen dienten. Doch während die Leipziger mit Juli Zeh, Ricarda Junge, Clemens Meyer etc. ständig publizieren, erobern die Hildesheimer etwas langsamer den Literaturbetrieb. Mariana Leky und Paul Brodowsky aus dem ersten Jahrgang etwa sind bisher die Platzhirsche mit eigenen Büchern. Doch die anderen kommen langsam nach. Bringen ihre Semesterergebnisse kurzerhand im Eigenverlag raus. Da tummeln sich dann Theaterkritiken neben Essays und Beobachtungen zur Transportkultur. Am interessantesten ist aber die Jahrgangsanthologie “Landpartie”, diesen Sommer zum zweiten Mal erschienen. Eine bunte Mischung: Da wird viel Taxi gefahren und mit (eigenen) Großmüttern und -vätern in die Vergangenheit geschaut. Fremde Länder werden besichtigt, mit Kamera und Stift; man fühlt sich abenteuerlich zwischen Armutsbesichtigung und dem Cuba Libre abends im Hotel. Da wird mit einer selbstreflexiven Ich-Erzähler-Figur der Verlust des Vaters und des letzten Sommers voller Freundschaft aufgearbeitet und das Psychogramm einer Mutter gezeichnet, die sich überflüssig fühlt, weil ihr Mann mit den Töchtern den direkteren Draht hat. Formal gibt es nur wenige Ausbrüche aus Altbekanntem: einen Krimi im Krimi, zwei Science-Fiction-Geschichten, Ausflüge in die Provinz mit Lokaljargon. Zarte Schritte in die Freiheit der Literatur freilich. Aber merklich schon jetzt jeder Text eine Absteckung des Reviers.