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Faking The Books

Lali Puna

Lali Puna behaupten mit ihrem dritten Album den Weilheim’schen Nischenkosmos aus bekannten Instrumenten, elektronischen Details, zartsperriger Pop-Sensitivität und Ausbruch - sowie ihren eigenen flirrenden Platz darin. ›Faking The Books‹ holt mit dem ersten traurigschönen Titelstück sanft au
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Lali Puna behaupten mit ihrem dritten Album den Weilheim’schen Nischenkosmos aus bekannten Instrumenten, elektronischen Details, zartsperriger Pop-Sensitivität und Ausbruch – sowie ihren eigenen flirrenden Platz darin. ›Faking The Books‹ holt mit dem ersten traurigschönen Titelstück sanft aus, um im Weiteren dahin zu führen, wo es Indie-Elektronik gut geht: auf das nicht ganz sichere Gleis. In den zehn Songs (plus ein nicht aufgeführtes Instrumental) findet sich sowohl vertrackte als auch Popappeal-Schönheit. In Melodie und Text scheinen Lali Puna nie bis zum Ende ausformuliert, sondern bleiben stets in einer beabsichtigten, flackernden Schwebe. Denn wie Sängerin und Band-Gründerin Valerie Trebeljahr schon zum Vorgänger ›Scary World Theory‹ konstatierte, so geht es wohl auch auf diesem Album wieder um Abgrenzung. Und wie der assoziationsträchtige, bittere und am Nerv der Zeit kratzende Titel ›Faking The Books‹ (für mich bereits erste Hook der Platte) schon nahe legt, vertonen Lali Puna hier insbesondere ihr Misstrauen gegenüber dem mutwilligen und zweckdienlichen Umgang mit Wahrheit und Recht der Moderne. Der zittrige Sound pflichtet den Lyrics bei: Nichts ist sicher und nichts ist schwarz-weiß. In der Art, wie kühle Electronics und warm pochende Refrains mit futuristischen Keys und Notwist’schen Gitarrenflächen plus den vertrauten Bleeps und Cloncs verwoben sind, bleibt weder das Elektronische kalt und technisch, noch könnte die Wärme völlig trösten. Dafür fordert die Platte Aufmerksamkeit, ist aber ebenso fantastisch laut zu hören. Direktere Statements und hitverdächtige Abstecher finden sich im fedrig daherkommenden ›Call 1-800-Fear‹ (»fear keeps you quiet / it shuts your mouth when you should talk / they spend your money on mini-nukes / while you’re away someone’s takin over«), in dem mit einem großartig widerspenstigen Gitarrenhook startenden ›Micronomic‹, dem scheppernden ›B-Movie‹ (»but don’t let Arnie be our last hope / I know, I know too well / I know, I know by heart / I am so sick and tired of all your muscles and your sweat / let the hero keep the house clean«) oder dem perlend-fiebrigen ›Left Handed‹. Auch im Sturm scheinen alle Songs einen kühlen, vorsichtigen Blick zu bewahren, was musikalisch vor allem an Valeries Gesang liegt, der niemals wirklich laut wird oder aus sich heraus tritt, manchmal fast mehr ein Hauchen ist. Dieses Beobachten stellt einen Gegenpol dar sowohl zu den Alles-ist-schön-Momenten des Pop als auch zu dem Blind-vor-Leidenschaft-Rockding. Und übrigens sind Radiohead Lali-Puna-Fan.