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G-Stone Book

Kruder & Dorfmeister

Es ist schwer, über Kruder & Dorfmeister eine wirklich dezidierte Meinung zu haben. Dies liegt einerseits an ihrer überaus populären Musik resp. ihren allgegenwärtigen Remixen und andererseits an den beiden Wienern selbst. Entrückt und schwermütig, so ist nicht nur der von ihnen kreierte Sound: Groo
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Autor: intro.de

Es ist schwer, über Kruder & Dorfmeister eine wirklich dezidierte Meinung zu haben. Dies liegt einerseits an ihrer überaus populären Musik resp. ihren allgegenwärtigen Remixen und andererseits an den beiden Wienern selbst. Entrückt und schwermütig, so ist nicht nur der von ihnen kreierte Sound: Grooves irgendwo zwischen Ambient-Dub und Drum&Bass. Entrückt erscheinen auch Peter Kruder und Richard Dorfmeister. Sie sind hippe Hippies, die sich nicht scheuen, ihre bürgerlichen Namen anstatt eines Pseudonyms zu verwenden. Zudem ließen sie sich für ihr “DJ-Kicks”-Album in der gleichen uncoolen Pose ablichten wie einst die Liedermacher Simon & Garfunkel für deren Schmalzwerk “Bookends”. Alles Understatement, könnte man meinen. Doch durch das eigene Label G-Stone Recordings, die zahlreichen Nebenprojekte wie beispielsweise Tosca oder Peace Orchestra und das Grafikdesign von Oliver Kartad und Sarah Littasy wurde aus dem vermeintlichen Elaborat einer verkifften Hippiekommune ein extrem wahrgenommenes Gesamtkunstwerk namens Kruder & Dorfmeister, welches sich auf den ersten Blick als omnipräsentes Lifestyleprodukt verkauft. Eines mit dem gleichen Schicksal wie die olfaktorische Konsensware CK ONE: Jeder mag es, und (fast) jeder hat es. Musik für den Volkswagen! Der nun erschienene Bild- und Textband, der die Arbeit des G-Stone-Labels und der beiden DJs dokumentiert, hilft einem jedoch aus ebenjener Konsensfalle heraus. Betrachtet man die zahlreichen Fotos und besonders die versammelten Texte genauer, so wird klar, dass es sich keinesfalls um eine marktorientierte Anbiederung an den Massengeschmack handelt, was da in Wien produziert wurde. Es ist vielmehr der nicht enden wollende (Ego?-) Trip zweier spitzbübiger Homeboys, die Job und Spaß geschickt miteinander verschmolzen haben und die nun ein Leben in den Weiten des Echoraumes führen, das irgendwo zwischen Ekstase und Entspannung verortet ist. Etwa so wie der im Zentrum des “G-Stone”-Buches stehende Text “Heldenplatz remixed” des österreichischen Schriftstellers Robert Menasse. Dieser schreibt angenehm zurückgenommen und ist zugleich unübersehbar leidenschaftlicher Fan. Dementsprechend wurde für Menasse in der Musik von Kruder & Dorfmeister nun endlich das eingelöst, “was seit den zwanziger Jahren ein unerfüllter Anspruch der Kunst war: Die Welt so abzubilden, wie sie ist, nämlich als eine Montage.” Und an gleicher Stelle schwärmt er - diesmal etwas bescheidener: “Kruder und Dorfmeister sind der Heldenplatz der zeitgenössischen Musik - nämlich, im Sinne Bernhards, die gültige Aufhebung der Helden.” Endlich eine Erklärung für das Phänomen Kruder & Dorfmeister, der man gerne folgt. Denn über Anti-Helden hat man besser keine Meinung. Man mag sie halt. Oder man lässt es.