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Not Available: Platten, die nie erschienen sind

Kraftwerk – Techno Pop

Unser Autor Daniel Decker berichtet in einer neuen Serie regelmäßig über vieldiskutierte Alben, die niemals erschienen sind.
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Unser Autor Daniel Decker berichtet in einer neuen Serie regelmäßig über vieldiskutierte Alben, die niemals erschienen sind.
Den Anfang macht Kraftwerks mythisches "Techno Pop"-Album.

Kraftwerk-Fans dürfen sich derzeit freuen, spielen die Elektropioniere doch erstmals seit 2006 wieder hierzulande. Freuen können sich erklärte Jünger auch als sie 1983 die Musikzeitschriften aufschlagen: Nach der Single "Tour de France" soll laut Anzeigen das dazugehörige Album "Techno Pop" folgen.

Doch bis zu "Electric Café" von 1986 bleibt es still. Was war passiert? Obwohl Kraftwerk angeblich jeden Tag im Studio werkeln, werden konkrete Statements und Neuigkeiten zu Aktivitäten immer rarer. Bereits 1982 macht sich die Band daran den Nachfolger zu "Computerwelt" aufzunehmen. Als Resultat dieser Aufnahmen erscheint 1983 zunächst die Single "Tour de France", doch dann überschlagen sich die Ereignisse: Bandmitglied Ralf Hütter fällt nach einem schweren Radunfall ins Koma und muss den Aufnahmen sechs Monate lang fernbleiben. Als dann die Digitaltechnologie Einzug in die Studios erhält beschließen Kraftwerk, die Platte einfach komplett neu einzuspielen. 



"Um ehrlich zu sein haben wir uns ein wenig in der Technologie verloren", so das ehemalige Bandmitglied Karl Bartos in einem Interview von 1998. "Plötzlich, Mitte der 80er, erschien dieses ganze digitale Equipment. Also machten wir einen Schritt zurück und überdachten das Ganze und arbeiteten mit Midi und Sampling. Als 'Techno Pop' fertig war flog Ralf nach New York und mischte die Platte in den Powerstation Studios. Alles war fertig, selbst das Cover, aber Ralf war unsicher und dachte wir sollten die Produktion überarbeiten und die Platte 'Electric Café' nennen, was wir auch taten.“

Zusammenfassend ist der vielzitierte Mythos von "Techno Pop" als eigenständigem Album also nicht zu halten. Vielmehr war es schlicht der Arbeitstitel für "Electric Café".  Beide Alben enthalten auch die gleichen Stücke. Dennoch hält sich das Gerücht des "Lost Albums" vehement.

Das hat unter anderem mit Kraftwerks Umgang mit den Medien zu tun. Interviews mit Hütter und dem mittlerweile ausgestiegenen Gründungsmitglied Florian Schneider sind selten, da passt die Idee eines unter Verschluss gehaltenen Werkes gut. Das viele dennoch an die Existenz von "Techno Pop" glauben liegt nicht zuletzt an den erschienenen Anzeigen und Cover-Entwürfen von u.a.  Rebecca Allen, die auch für das "Electric Café"-Artwork sowie das Video zu "Musique Non Stop" verantwortlich zeichnet.

Video: Kraftwerk - "Musique Non Stop"



Für alle, die dennoch daran glauben wollen, gibt es Trost: "Electric Café" als analog eingespielte Version muss es geben. Demos von "Sex Objekt" und "Techno Pop", die sich auf Bootlegs wiederfinden, beweisen das und wer will kann diese Aufnahmen dann "Techno Pop" nennen.