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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

So war’s: Die Drei ??? und das Rätsel um den Geheimen Headliner

Kosmonaut Festival 2014

»Kosmonaut«, das war zu Zeiten der deutschen Zweistaatlichkeit (deine Eltern, Helmut Kohl und Bismarck werden sich noch erinnern) das Ost-Gegenstück zum westlichen Astronaut. Kraftklub, die ja bereits aus Chemnitz wieder Karl-Marx-Stadt machen, nutzen diesen Begriff für ihr eigenes Festival. Mit dabei: Casper, Blood Red Shoes, Bilderbuch, Alligatoah ... und der sagenumwobene »Geheime Headliner«. Linus Volkmann war vor Ort.
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Geheimer Headliner: Marteria?

Mitmachspiele und Rätselaktionen, die Interesse für Events generieren sollen? Drauf geschissen! Obwohl ... eine Ausnahme gibt’s. Dieses Rätsel war talk of the Zeltplatz bei den knapp 10.000 Besuchern am Chemnitzer Stausee Rabenstein: »Wer zur Hölle ist denn jetzt der Geheime Headliner?« Letztes Jahr bei der Erstauflage des von Kraftklub mitinitierten Festivals waren es jene noch selbst. Irgendwie logisch. Aber diesmal? Auf dem Gelände konnte man sogar Tipps abgeben. Mit Abstand am höchsten im Kurs stand: Marteria. Gefolgt von Beatsteaks und K.I.Z. Doch es sollte anders kommen...

 

Geheimer Headliner: Das Wetter?

Das Kosmonaut-Festival bespielt das ehemalige Gelände des Splash-Festivals (welche ja wiederum nach Ferropolis abgewandert sind). Dem Namen Splash machte das Open-Air hier seinerzeit alle Ehren. Denn es versank mehrfach in proto-naturkatastrophigen Regenfällen. Die Kosmonauten hatten indes Glück. Samstag erwischte es WhoMadeWho mit einem Schauer und alle zogen die Gratis-Ganzkörperregencapes mit »Pizza.de«-Aufschrift an. Alter, sieht das immer scheiße aus. Dann lieber nass werden und Lungenentzündung. Aber wenigstens mit Würde aus dem Regen raus. Der Rest aber ohnehin: Trocken

Geheimer Headliner: Die Location?

Idylle pur. Ich schwör’s euch! Am Hang, an einem kleinen Badesee gelegen. Enten kommen zum Grasen (oder was die sonst an Land halt tun) und alles ist, wie wir Festival-Babos sagen, »voll gechillt«. Leider gibt es kein Foto von dem spektakulären Ambiente. Das sieht durchs Handydisplay, äh, den Sucher meiner Intro-Profikamera, ja stets so schäbig aus – und wird dem echten Anblick nie gerecht.

 

Geheimer Headliner: Das Meerschweinchen-Tattoo auf der Frau vor mir?

 

Geheimer Headliner: FKK?

Wer träumt nicht davon, Bands wie Künstler auf einem speziellen Erotikfloor nackt zu sehen? In der ehemaligen DDR völlig selbstverständlich! Leider verstand sich von selbst, keine Aufnahmen zu machen, wie Bosse tantrisches Nacktyoga im Gras vollführte.

 

 

Auf der nächsten Seite: Die Jagd nach dem geheimen Headliner geht weiter.

 

Geheimer Headliner: Feine Sahne Fischfilet?

Bei den Ostseeboys ging die private Pyro unter den Zuschauern ab, Sänger Monchi tadelte in seinen Ansagen zudem all jene, für die Antifaschistische Insignien nur Teil ihrer Ausgehkultur sind: »So viele auf den Konzerten gegen Nazis, viel weniger auf der Straße gegen Nazis!« Ein noch namenloser Song der nächsten Platte wurde dann schon mit uns geteilt. Vielversprechend. Ansonsten glaubwürdiger Bierzelt-Antifa-Sound mit Haltung.

 

 

Geheimer Headliner: Casper?

Natürlich Quatsch. Casper war natürlich der absolut nicht geheime Headliner des ersten Tages. Da war der Hang gepackt voll wie sonst nur das Handgepäck deiner Mutter, wenn sie bei German Wings wieder die zehn Euro für’s Koffer aufgeben sparen will.

 

Geheimer Headliner: Klaxons?

»NuRave? Hey, erzähl mir doch noch mehr vom letzten Jahrzehnt, Opa, ich leg mich solange mal ab.« Wer die Londoner Typen der Klaxons für so datet hält wie Sternchen-Tattoos, der musste sich am frühen Samstagabend eines Besseren belehren lassen. Die neue Platte »Love Frequency« zeigt die Band steil wie Rakete. Richtig gute Show.

 

Geheimer Headliner: Kraftklub?

Die aktuell berühmtesten Chemnitzer haben dem Kosmonaut Festival nicht bloß ihren Fame zur Verfügung gestellt, damit das Ding läuft – und abgewickelt wird von Vodafone Street Gigs oder Rupert Murdoch. Nein, die Jungs sind mit Herzblut dabei, Bassist Till Brummer zum Beispiel fuhr den Shuttlebus für die Künstler. Sein Händedruck war rau wie der eines meerwassergegerbten Seemanns. Denn er und die anderen Jungs haben es sich nicht nehmen zu lassen, beim Aufbau selbst Hände anzulegen. Respekt. So fühlte man sich auch eben nicht wie beim gewinnoptimierten Jugendmarketing-Event einer Agentur sondern wie auf einer liebevoll ausgerichteten Party.

 

Geheimer Headliner: Fettes Brot!

Die Pop-Rapper aus Hamburg waren es dann tatsächlich. Bingo! Keiner hat’s geahnt im Publikum, die Nummer schien wirklich wie das am besten gehütete Geheimnis seit dem Kennedy-Attentat.

 

Geheimer Headliner: Milky Chance?

Als Fettes Brot animationsgestählter Robinson-Club-Gig verklungen war, lief gerade erst Mitternacht. Alles zog weiter zum letzten Act des zweiten Tags – und zwar vor die Blume-Bühne. Dort zersägten die hochgehandelten Milky Chance ein komplett kiffiges Dub-Reggae-Set. Aha? Und dafür hatte man um elf noch eine Pille geschmissen? Mist! Es muss doch noch weiter gehen jetzt!

 

 

Geheimer Headliner: Aftershow-Party im Atomino?

Ging es auch. In dem sicher legendärsten Laden der Stadt legte der Vater von Kraftklub (okay, ganz so potent ist selbst Jan Kummer nicht, zwei von der Band hat er gemacht) auf. Klar, ihr denkt jetzt: »Heimeligkeit gut und schön. Aber das rechtfertigt nun auch nicht, dass die greisen Eltern schon an die Decks gelassen werden dürfen!« Falsch, Jan Kummer war seinerzeit in der berüchtigten DDR-Elektro-Dada-Band AG Geige. Wer den Typ nicht für eine lebende Legende hält, der kann getrost weiter zu Revolverheld und Konsorten gehen – und in seinem mediokren Scheißleben versauern. Huch, wie bin ich denn drauf? Egal. Kosmonaut 14, das war großartig. Und hier noch on top der Trailer zur AG-Geige-Doku. Ganz neu als DVD-Release jetzt. Dieser gesamte Kosmos lohnt sich.