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Kolumne: Neues aus der bunten Welt des Pop

Warum »Lulu« nur was für Schlaue ist

Obama ein Illuminatus, Tyler bestimmt am nächsten Columbine-Massaker Schuld, »Lulu« war nur für die Gebildeten – Pop hat uns an diesem Tag noch so viel mehr zu erzählen. Carsten Schumacher hat zugehört.
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Liebe Freunde, wir haben es immer geahnt, aber erst Korns Jonathan Davis wagt, es anzusprechen: US-Präsident Obama ist eine Marionette der Illuminaten. Gegenüber Billboard gab der Pflegefall aus dem NuMetal-Nachlass seinem Bedauern Ausdruck, dass das Weiße Haus ein Haus der Schande geworden sei. Er vermisse die alten Zeiten, als alles noch in Ordnung war. Gemeint: Die weltweit für ihre aufrechte Unabhängigkeit bekannte Bush-Regierung. Die Bush-Regierung hatte wenigstens noch echte Feindbilder. Auch das vermissen wir heute.

Tyler, The Creator ergeht sich deswegen schon in Phantasien, wonach er endlich als Public Enemy No.1 dran wäre, wenn es mal wieder ein Columbine-Massaker gäbe. Gegenüber dem Respect Magazine (!) machte er deswegen eine Vergleichstabelle auf, wonach er einzig legitimer Nachfolger von Eminem, Marilyn Manson und Slipknot wäre. Wir unterstützen die Kandidatur! Unterstützenswert ist übrigens auch der Recyclingansatz des Vinyl-Lobbyisten Jack White, der ab jetzt überflüssig hergestellte 7“-Singles seines Labels Third Man Records zu iPhone-Schutzhüllen formt. Doch keine Angst, Geschäftsmann White mutiert keinesfalls zum Digital Native, der Begleittext zum Produkt trieft nur so vor Sarkasmus.

Eine super Vorlage für Sarkasmus bietet übrigens auch Billy Corgan (Smashing Pumpkins) mit seinem Worten gegenüber dem Kerrang! Magazine: »The Pumpkins won't be a nostalgia act, we refuse to be. That would be the true death of the Smashing Pumpkins. I've said to people in the business – we won't go out and make money by playing 'Siamese Dream' in full. We're not operating with that safety net.« – genießen wir diese Worte für einen stillen Moment und denken uns unseren Teil…
 
Und sonst? Lou Reed ist nach dem weltweiten »Lulu«-Bashing zur Trotzphase übergegangen und behauptet, das Album sei ohnehin nur für gebildete Menschen geschrieben worden. Lana Del Rey nimmt sich derweilen Kurt Cobain zum Vorbild in Sachen textlich wie klanglicher Kompromisslosigkeit. Underworld lassen sich vom IOC jede Menge Kohle für die musikalische Gestaltung der olympischen Eröffnungsfeierlichkeiten rüberreichen und Guns N’Roses gedenken bei ihrem Einzug in die Rock’n’Roll Hall of Fame an die Helden von Pearl Harbor, während die Witwe von Roy Orbison an eben dessen Todestag stirbt und es bestimmt auch dieser Vanitas-Hauch war, der Rod Stewart dazu brachte, über eine Faces-Reunion nachzudenken. Billy Corgan würde da wohl auch Bass spielen, allerdings nicht fürs Geld und auch nur, wenn Nostalgie keine Rolle spielt.