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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Bollernde Phrasenheizung

Knarf Rellöm Trinity live

Knarf Rellöm-Konzerte sind so eine Sache für sich. Für den einen nur betrunken zu ertragen, für den anderen ein semi-karnevalistischer Spaß und ein Tanz auf der Rasierklinge des guten Geschmacks.
Geschrieben am
04.01.06, Köln, Tsunami Club.

Für meine Ausführungen zu Knarf Rellöm muss ich etwas weiter ausholen.
Ich habe den Guten im letzten Jahr drei mal auf feinen Konzertabenden gesehen,
auf denen ich zwar nicht wegen Knarf war, dann aber doch stets vor die Bühne
gestolpert bin.

Und mir ist da etwas aufgefallen, man studiert ja nur
fast umsonst Soziologie: Anscheinend korreliert die
Qualität eines Rellömschen Konzerts stark mit dem
Publikum, respektive dem Alkoholpegel desselbigen. In
Saarbrücken wurde er als Opener belächelt, in München
und Nürnberg total abgefeiert. Dass das etwas mit
Landesgrenzen zu tun hat, glaube ich nicht. Dafür
schon eher mit Mentalitäten und, nun ja, Bier.

Ist die Hemmschwelle erst einmal überwunden, tanzt es sich
nämlich ganz gut zu Knarfs Interpretation von
Popmusik
. Und genau darauf scheint das Dreigespann
samt DJ Patex und Viktor Marek, auf dieser Tour unter
dem Namen Knarf Rellöm Trinity unterwegs, auch aus
zu sein. 'Move Your Ass And Your Mind Will Follow' ist
mehr als nur der aktuelle Albumtitel, es könnte auch
das Dogma dieser Anti-Helden sein.

In Köln ist der Tsunami Club zu Beginn knacke voll,
viele haben wohl einen Tipp bekommen oder einfach nur
die Plakate gesehen. Die Band gibt sich gewohnt
optisch extravagant, Knarf hat sich wieder in seine
Moses-Kutte geworfen, Viktor Marek steckt im
Glitzeranzug und DJ Patex (wohlgemerkt eine Frau)
trägt einen royalen Kopfschmuck. Und kaum in the house
bestätigt Knarf auch sofort meine Theorie: "Wir sind
nur so gut, wie unser Publikum gut ist
", ruft er und
los geht’s mit Popdiskurs, Space-Disko und
Sloganizing. Das Publikum wippt mit dem Fuß (wohl noch
nicht genug Bier getrunken?), schüttelt sich
zweideutig und lacht über Knarfs Anti-Stadionrock mit
bollernder Phrasenheizung. Die Olli-Schulzisierung, da
ist sie wieder.Nach einer weiteren nicht erwiderten
Aufforderung zur großen Sause ("Publikum
durchmischen
") lässt es Knarf Rellöm bleiben.
'Einbildung ist auch 'ne Bildung', die Zürich-Hommage
'Little Big City' und der dreiste Klau 'LCD Is
Playing At My House
' sind trotzdem geile (das Wort
musste sein) Hits für den Dancefloor. Basta.

Die Wahrheit ist: Der Mann, der schon hinter Huah!
steckte, ist alt genug und längst darüber erhaben, ob
die Leute ihn verstehen/mögen und mitmachen oder
nicht. Rellöm ist wohl einer dieser Menschen, die der
größte Fan ihrer eigenen Musik sind. Und während er
auf der Bühne sich den Wolf spielt, zitiert, rezitiert
und zwischen Gitarrenläufen und Schlagzeugeinlagen hin
und her stolpert, schiebt sich das Publikum zusehends
in Richtung Bar. Ist Knarf Rellöm zu anstrengend für
einen Donnerstag Abend in Köln? Wann ist dann Zeit für
diesen "charmanten Diletantismus"? So nennt es
zumindest ein Konzertgänger im nachhinein. Um noch
indifferenter zu werden, zwei weitere Wortfetzen aus
der allgemeinen Retrospektive: "War es wirklich so
geil?
", fragt ein Mädchen am Eingang. "So schlecht war
es nun auch wieder nicht
", sagt jemand auf dem Flur.
Ich zitiere lieber Knarf Rellöm: "Ihr wollt
Kuschelsex? Fickt euch!
"


Und das sagt Matthias Manthe: "Das erste Mal Knarf Rellöm
ist wahrscheinlich immer vor allem eins: extrem merkwürdig.
Kam mir insgesamt ziemlich spanisch vor, dieses Potpourri aus
Absurdem, Abstrusem und durchaus Tanzbarem aus Trinitys
vollgeladener Trashismus-Batterie. Zwischendurch riss wohl nicht nur bei mir ein wenig die Aufmerksamkeitsspanne. Und ohne Alkohol geht Herr Möller auch nicht so richtig. Unter Einfluss aber eine tollkühne Ugly-Disco. Starker Hipnessfaktor.
"