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Klatschen, Zugabe und Co.: Ein Blick in die Geschichtsbücher

Wer hat's erfunden?

So geht das seit Jahrhunderten: Rauf auf die Bühne, runter, Applaus. Warum klatscht man bei Konzerten eigentlich?
Geschrieben am
So geht das seit Jahrhunderten: Rauf auf die Bühne, runter von der Bühne, Applaus, Applaus, Applaus. Man nennt das: den Live-Auftritt. Eine 30- bis 120-minütige Standardveranstaltung, die Künstlern und Publikum feste Rollen zuweist. Aber warum klatscht man bei Konzerten eigentlich? Und seit wann? Wer hatte die ersten Groupies? Und hat Igor Strawinsky wirklich den ersten Moshpit angezettelt? Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt Erstaunliches.

Tickets
Die ersten bekannten Veranstaltungstickets gab es schon in der griechischen Antike, zumeist für Theateraufführungen. Im 18. Jahrhundert, also zu Mozarts Zeiten, war es dann bereits üblich, "Billets", wie Tickets damals hießen, im Vorverkauf zu erwerben. Hier entstand auch ein Trend, der in klassischer Musikaufführung bis heute vorzufinden ist, sich in der Popmusik aber nie durchsetzte: das Konzertkartenabo für die komplette Spielzeit eines einzelnen Konzerthauses, zu Mozarts Zeiten "Subskription" genannt.

Auf der nächsten Seite: Das Lampenfieber.

Warum klatscht man bei Konzerten eigentlich? Und seit wann? Wer hatte die ersten Groupies? Und hat Igor Strawinsky wirklich den ersten Moshpit angezettelt? Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt Erstaunliches.

Lampenfieber
Lampenfieber gibt es seit Erfindung der Bühne. Und die Strategie dagegen hieß schon immer: Ablenkung. Heutzutage spielen Emo-Bands in klimatisierten Backstageräumen vor dem Auftritt Xbox, Punks picheln Schnaps und Indie-Rocker knutschen rum, um ihre Nervosität zu überwinden. Früher war es fast genau so: Johannes Brahms rauchte eine Zigarre nach der anderen, Gustav Mahler zerbiss sich aus Nervosität regelmäßig den Mund, bis es blutete. Richard Strauss hingegen war begeisterter Skatspieler und frönte seinem Hobby sogar in den Pausen von Opern, die er dirigierte.

Auf der nächsten Seite: Der Moshpit.

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Moshpit
Viele glauben, der Moshpit sei ein junges Phänomen, das bei Punkkonzerten der Siebziger und Shows der US-Hardcore-Szene Anfang der Achtziger entstanden sei. Tatsächlich aber lassen sich solche Publikumsverknotungen viel weiter zurückverfolgen - sogar bis tief in das Herz der heutigen Hochkultur: Als Igor Strawinsky am 29.05. 1913 sein hochkomplexes Werk "Sacre du printemps" ("Das Frühlingsopfer") in Paris zur Uraufführung brachte, gerieten Teile des Publikums aufgrund der avantgardistischen Ausprägung des Stückes so in Rage, dass sie nach wenigen Minuten in Streit mit den Befürwortern gerieten, die die Musik in Ruhe zu Ende hören wollten. In der Folge kam es im Théâtre des Champs-Élysées zu Schlägereien, Tumulten und Zwischenrufen, während das Orchester verunsichert weiterspielte. Dass die Darbietung nicht abgebrochen wurde, lag ausschließlich am Durchhaltevermögen des Dirigenten Pierre Monteux.

Auf der nächsten Seite: Der Beifall.

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Beifall
Nur weniges ist uns im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung so vertraut wie das - genau genommen eigentlich ziemlich dämliche - Zusammenschlagen der Handinnenflächen als Zeichen des Gefallens. Genannt wird das ganze auch Applaus (lat. applaudare = etwas an etwas schlagen). Schade, dass sich in der Kulturgeschichte das Ausdrucksarsenal des Publikums im Laufe der Zeit immer weiter eingeschränkt hat. Wird heutzutage beim Klatschen höchstens gepfiffen oder gejohlt, hatte die Antike ein breiteres Repertoire an Ausdrucksmöglichkeiten. Damals gab es unterschiedlichste Jubelvarianten, je nach Gütegrad des Dargebotenen - angefangen beim Schnippen mit Daumen und Zeigefinger, dem Klatschen mit unterschiedlichen Handhaltungen und entsprechenden Geräuschen oder dem Winken mit Teilen der umgelegten Toga.
In der Ritterzeit war hingegen der sogenannte "Wacker" üblich - das Schlagen mit der flachen Hand auf den Tisch. Eine Schwundstufe dieses vergleichsweise rohen Gefühlsausdrucks findet sich heute noch vereinzelt an Schulen, vor allem aber Hochschulen: das dezente Applaudieren per Knöchel auf die Tischplatte. In Teilen des Fernen Ostens äußert man Beifallsbekundungen nicht mit den Händen, sondern per Schnalzen mit der Zunge. Interessant sind übrigens auch die kulturellen Unterschiede in Bezug auf den Klatschanlass: In China werden Personen manchmal zur Begrüßung mit Applaus bedacht, wobei der Ankommende dann höflicherweise zurückklatschen sollte.

Auf der nächsten Seite: Die Zugabe.

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Zugabe
Zugaben, im Englischen und Französischen "encore" (franz. = noch einmal) genannt, sind alles andere als eine Erfindung der Popmusik. Unter dem Namen "da capo" (ital. = "vom Beginn an") taucht die Zugabe schon vor vielen hundert Jahren in der Musik auf. Von manchen Mozart-Opernarien ist überliefert, dass sie bereits zu dessen Lebzeiten dreimal in Folge wiederholt werden mussten, weil sie beim Publikum so gut ankamen. Trotz ihrer langen Geschichte war die Zugabe aber nie unumstritten. Einige Bands vor allem aus dem linksalternativen Underground verweigern sich bis heute konsequent der Zugabe - entweder, weil sie das Stargehabe hassen oder weil sie eine besondere Showdramaturgie in Gefahr sehen.

Hier hilft die alte Regel: Vom King lernen, heißt siegen lernen. Elvis Presley spielte nämlich nie Zugaben. Sein Manager Colonel Tom Parker hatte früh erkannt, dass dies der beste Weg sei, um das Publikum darbend und von Elvis abhängig zurückzulassen. Vor dem Hintergrund dieser Praxis wurde auch der Satz "Elvis has left the building" berühmt, der meist am Ende des Konzerts fiel, um deutlich zu machen, dass es nun wirklich vorbei sei und es nicht mehr lohne zu klatschen. Dieser Holzhammer-Hinweis findet sich bei großen Hallentourneen auch heute noch in abgewandelter Form - nämlich dann, wenn das Licht angeht.

Auf der nächsten Seite: Die Groupies.

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Groupies
Das Groupie gehört zum Star wie Sancho Pansa zu Don Quichote: Sie gibt es immer nur zusammen, aber wie der Kampf gegen Windmühlen kämpft auch die vermeintliche Traumkonstellation Groupie / Star auf verlorenem Posten. Wenn es überhaupt zu einem Treffen, geschweige denn dem Austausch von Zärtlichkeiten kommt. Erfolgreiche Liebesgeschichten sind selten - selbst Sid Vicious steht bis heute im Verdacht, seine Freundin, das Sex-Pistols-Groupie Nancy Spungen, ermordet zu haben.

Das meist weibliche Groupie (es gibt aber durchaus auch männliche) ist keine neuartige Erscheinung. Schon Frank Sinatra hatte in den 1940er Jahren Groupies, die ihm in Hotels und dunklen Gassen auflauerten und auf seine Liebe hofften. Das Gleiche gilt für die Stars klassischer Musik. Der Komponist, Dirigent und Klaviervirtuose Franz Liszt beispielsweise hatte bei seinen Konzertreisen um 1840 schon kollabierende Frauen vor der Bühne, die in Ohnmacht fielen und sich um kleine Andenken wie eine Haarlocke des Meisters prügelten. Liszt nutzte seine Position weidlich: Er unterhielt langjährige Beziehungen zu verheirateten Frauen ebenso wie spontane Kurzaffären, gerne auch beides gleichzeitig.

Mehr zur Festivalsaison gibt's unter www.intro.de/live/festivals