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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Bravado«

Kirin J. Callinan

Der Australier Kirin J. Callinan dreht mit seinem Industrial-Pop an der Wahnsinnsschraube und umarmt den schlechten Geschmack wie ein liebgewonnenes Kuscheltier. 
Geschrieben am
Ernsthaft? Dass sich Kirin J. Callinan da auf dem Cover scheinbar selbst anstrullert und seinen Dingdong im Clip zu »S.A.D.« durchblitzen lässt, muss man erst einmal verdauen. Doch der Weirdo muss auch mit dem Industrial-Pop seines Debüts in Australien einen großen Eindruck hinterlassen haben, denn die Cameos häufen sich auf »Bravado« wie in einem Wes-Anderson-Film. Jimmy Barnes schreit, Alex Cameron, Weyes Blood und Mac Demarco singen, Owen Pallett spielt Glocken und Mitglieder des Finn-Clans machen irgendwelchen Kram. Eigentlich ist all das jedoch wurscht, denn die meiste Zeit über hält sich der Hörer an Callinans beachtlicher Gesangsperformance fest und versucht, von der hohen Ideen-Schlagzahl keine Schwindelgefühle zu bekommen.

Im Gegensatz zum Debüt »Embracism« muss man diesmal in viel Konfetti graben, um die düstere Coolness der Platte zu entdecken. Doch es gibt sie. Diese kleinen grotesken Harmoniebrecher wie die funky Killernummer »Down To Hang« oder die Drogenhymne »S.A.D.« mit all den Momenten, in denen er wieder mehr einem Trent Reznor als einem Pop-Entertainer gleicht, um kurze Zeit später im Carpe-Diem-Overkill »Living Each Day« oder dem herrlichen Weltverbesserungs-Rave »Big Enough« eine DJ-Bobo-Pop-Revue abzufeuern, die auch David Guetta mit seinem MP3-Deck auflegen könnte. Die Auflösung all dessen gibt es am Ende im Titeltrack aber doch. Ist das nun alles Draufgängertum? Hehe, jawohl. Meint er das ernst? Und wie!

Kirin J Callinan

Bravado

Release: 09.06.2017

℗ 2017 Kirin J Callinan, under exclusive license to Universal Music Australia