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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Future Of Mankind

King Of Japan

Münchens Neo-Discogerücht Queen Of Japan nach der Geschlechtsumwandlung. Jetzt mit dem Berufs-Wiener Austrofred (vgl. Kochen mit Austrofred in #159) am Gesang.
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Münchens Neo-Discogerücht Queen Of Japan nach der Geschlechtsumwandlung. Jetzt mit dem Berufs-Wiener Austrofred (vgl. Kochen mit Austrofred in #159) am Gesang und neuen glam-(pseudo-)schwulen Pseudonymen: Albert von München, Giovanni Rei Tirolesi und Wenzel van Böhmen, die Adelige des 16. Jahrhunderts auf Forschungs-Zeitreise in die Zukunft des Barock vorstellen sollen.

Das alte Queen-Of-Japan-Konzept, mehr oder weniger olle Gassenhauerinnen (hier: "In The Year 2525", "Spaceman Came Traveling", "Iron Man", "Mr. Roboto" usw.) mit der Energie von Autoren-Disco zu rechargen, ist ein Erkenntnisinstrument, dem es gelingt, das utopisch-dystopische Flackern freizulegen, das die futuristische Erzählung in der filettierten und fragmentarisierten Popform angenommen hat. Das utopische Potenzial abgehalfterter Poputopien wird an den gewählten Beispielen noch einmal durchgespielt. "Future Of Mankind" berichtet auf der Ebene des reflektierten Neuinterpretierens von den Robotern und dem technologischen Griff nach den Sternen in der Popgeschichte sowie deren vorprogrammierten Krisen.

Das unterscheidet sie vom selbstgenügsamen Planschen im Zitat, wie es Neodisco-Rohrkrepierer (z. T. mit dem Politischen als Gummiente, siehe Saalschutz) als Schwundstufe of the art eingeführt haben. King Of Japan erzählen dagegen von der Verzweiflung, die in die historischen Discostücke nach dem Schwellenübertritt in die kulturindustrielle Routine eingezogen ist, idealtypisch bei Amanda Lears "Follow Me" nachzuhören, dessen Flirren von der Resignation handelt, dass ihr doch wieder niemand folgen wird. Gerade dieses Wissen macht "Follow Me" so unwiderstehlich; eine Eigenschaft von Disco, auf die auch King Of Japan insistieren. Es ist eine Verzweiflung, die als verkaterte Ekstase noch nicht aufgegeben hat. Zugleich ist sie die gegenwärtige Aggregatstufe der Utopie, deren nicht eben einfach gestrickte Dialektik King Of Japan mit einer Leichtigkeit aus dem Ärmel schütteln, mit der so nicht mehr zu rechnen war. Disco kann also auch als Electropop mehr sein als outgesourcter Selbstekel.