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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Alphabutt

Kimya Dawson

In der Musik von Kimya Dawson und den Moldy Peaches gab es jede Menge kindliche und auch kindische Momente. Kindisch bedeutet jedoch nicht notgedrungen infantil.
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In der Musik von Kimya Dawson und den Moldy Peaches gab es jede Menge kindliche und auch kindische Momente. Kindisch bedeutet jedoch nicht notgedrungen infantil.

Im Gegenteil: Dass Kimya Dawson sich in ihren Songs immer wieder auf die Seite von Kindern und älteren Menschen geschlagen hat, also nicht auf die Indiepop-Peer-Group der Zwanzig- bis Dreißigjährigen, kann anerkennend als mutig bezeichnet werden. In ihrer Musik ging es stets um ein Bekenntnis zur Schwäche und um Ängste, die Erwachsene mit Coolness oder Distanz zu kaschieren versuchen. Kimya Dawsons Musik war auf entwaffnende Weise schwach und herzerfrischend uncool.

Doch nun beginnt es ins Infantile zu kippen. Seit zwei Jahren ist Kimya Dawson Mutter. Herzlichen Glückwunsch hierzu. Für "Alphabutt" hat sie ausschließlich Kinderlieder eingespielt mit Titeln wie "I Like Bears", "I Love You Sweet Baby", "Pee-Pee In The Potty" und "We're All Animals". Nicht nur die Sprache ahmt hier oft Kleinkinder nach, sondern die Kleinkinder durften auch mitspielen, auf Töpfe schlagen oder Rasseln ratschen.

Wer für ein Instrument noch zu jung war, hat einfach nur im Hintergrund gebrabbelt, gesabbert oder geschrieen. Man muss wohl schon selbst Kinder haben, um das als niedlich statt nervig zu empfinden. Diese Musik ist wie jede überzogene Kinderliebe ein regressiver Reflex auf den zunehmend brutaler durchrationalisierten Kapitalismus, jedoch im Sinne einer Fluchtbewegung hin zum vermeintlich Unschuldigen, Ursprünglichen. Das schrubbt haarscharf an Essenzialismus vorbei und dürfte den FamilienministerInnen dieser Welt ideologisch gut in den Kram passen.