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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

All The Beautiful

Kiki Bohemia

Technisch avanciertes Homerecording birgt ja bekanntlich die Gefahr solipsistischen Verzettelns, kann aber auch größte stilistische Wendigkeit, Experimente und Intimität ermöglichen.
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Technisch avanciertes Homerecording birgt ja bekanntlich die Gefahr solipsistischen Verzettelns, kann aber auch größte stilistische Wendigkeit, Experimente und Intimität ermöglichen.

Zu den Schöpfern letzterer Glücksfälle gehört neben Musikern wie Justine Electra und Patrick Wolf auch Karla Wenzel alias Kiki Bohemia. Das Cover ihrer ersten abendfüllenden Platte "All The Beautiful" zeigt ein typisches Spukhaus, allerdings mit bunten Partylampen außen dran. Das Bild ist programmatisch für die spielerische Düsterkeit, die sich in Gestalt anheimelnder Schauerorgeln durch alle Lieder zieht. Von dieser klanglich/atmosphärischen Konstante abgesehen, ist die musikalische Bandbreite erschlagend. Avantgardistische Collagen wie "Cursed" koexistieren traulich mit paranoiden Geschwistern von Fairground-Attraction-Songs, und in "Hey Mr. T. Girl" paaren sich Dance-Hall-Beats mit elegischen Gesängen. Apropos Gesänge: Karla Wenzel ist eine wirklich spektakuläre Sängerin. Die ganze zauberhafte Pracht ihres Timbres entfaltet sich, wenn sie als ihre eigene Backgroundsängerinnengruppe "Uhhhs" und "Ohhhs" durch die Lieder schwirren lässt, deren Höhe und Schönheit schier unmenschlich sind. Will sagen: Jarvis Cocker ist zu Recht Fan.