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The Action Packed Mentallist Brings You The Fucking Jams

KID 606

MP3 killed the CD-Star. Eine catchy Phrase, die so dermaßen in der Luft liegt, dass man sich gar nicht mehr traut, einen Urheber dafür ausfindig zu machen. Ist auch nicht nötig: Kid 606 hat jetzt mal ein Stück auf seiner neuen Platte danach benannt und tritt damit alle Gesetze der Musikindustrie dem
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MP3 killed the CD-Star. Eine catchy Phrase, die so dermaßen in der Luft liegt, dass man sich gar nicht mehr traut, einen Urheber dafür ausfindig zu machen. Ist auch nicht nötig: Kid 606 hat jetzt mal ein Stück auf seiner neuen Platte danach benannt und tritt damit alle Gesetze der Musikindustrie demonstrativ mit den Füßen: Hier wird alles verramscht, von Missy Elliott zu Kylie, von den Bangles über Le Tigre bis hin zu Radiohead – selbst Eminem, der am öftesten vom Netz runtergezogene HipHop-Act ever, trifft sich hier auf 78rpm mit Buggles‘ “Video killed the radio star”, aufgezogen über Gabber-Beats, Clicks’n’Cuts-Versatzstücken und den beliebtesten Preset-Plug-Ins von ProTools. Und dass Missys “Get Ur Freak On” ausgerechnet auf “Copy Me” hängenbleibt, darf man getrost auch als sublime Grußbotschaft an alle Bastard-Popper interpretieren. Wahrscheinlich ist die Platte deshalb auch auf dem winzigen Neuseeländer Violent-Turd-Label (kennt das irgendwer?) rausgekommen, weil die Klärung der Samples die Veröffentlichung vermutlich bis 2010 verschoben hätte – und dann die Diskussion über kopiergeschützte Tonträger genauso anachronistisch anmuten wird wie heute die Entrüstung über die Tatsache, dass das Gesicht von Black Box nicht selbst gesungen hat. Was das Manga-Porno im Innensleeve allerdings damit zu tun haben soll, weiß ich auch nicht. That joke isn’t funny any more, nicht weil er zu weit ginge, sondern weil das ironisch-niedliche Aufbereiten von nackten Mädchen, die sich stöhnend ihrer Geilheit hingeben, Hand in Hand mit den Neunzigern echt nur noch auf der Müllhalde der Geschichte entsorgt werden sollte. Hat die Platte nicht nötig. Die “Ruin It”-EP ist entstanden, in dem sich die Stream of Consciousness-Rhymer Dälek und Kid 606 gegenseitig Remixe und Adaptionen von Kid 606s “Ruin It, Ruin Them, Ruin Yourself, Then Ruin Me” zuschickten. Die vier Ergebnisse klingen nie gleich, erinnern entfernt an Anti Pop Consortiums letztes Album, sind allerdings viel mehr abstrakte Mesh-Up-Elektronik als HipHop; und den Versuch, die Genres zu durchkreuzen, allemal wert. Die CD-Single kommt übrigens mit zwei Bonus-Stücken.