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Spalter: "The Boxer", Pro & Contra

Kele

Kele Okereke alleine zurück in der Bestenliste oder weiter im freien Fall in die Bedeutungslosigkeit? Man ist sich zu "The Boxer" nicht ganz einig und daher ist das Album auch unser Spalter der Ausgabe.
Geschrieben am
Kele Okereke alleine zurück in der Bestenliste oder weiter im freien Fall in die Bedeutungslosigkeit? Man ist sich zu "The Boxer" nicht ganz einig und daher ist das Album auch unser Spalter der Ausgabe.

Pro:
Jetzt kann ich es ja sagen: Den Bloc-Party-Kult der Kollegen bin ich zuletzt nur noch aus Mitleid für ihre deformierten Vorlieben mitgegangen. Konnte man sich in echt aber doch kaum noch anhören, diesen unsäglich schlauen Prog-Indietronic. Da wäre ich auch ausgestiegen. Insofern genießt Kele mein vollstes Verständnis für diesen Schritt. Und so klingt auch "The Boxer" gleich weniger geschwollen als "Intimacy".

Statt weiterer Radiohead'isierung gibt es überschäumende Ausflüge in diverse Felder von Dance-Pop. Sogar an Cheesiness und Charts versucht sich Kele, was allerdings durch seine eindringlich wie spröde Art zu singen und durch die doch immer wieder steten Schleifen und Doppelknoten im Songwriting nie Gefahr läuft, als kommerziell geoutet werden zu müssen. Nein, das hier ist einfach ein Album des Aufatmens.



Und weil das so spürbar von Herzen kommt, macht es natürlich auch beim Zuhören Spaß, wenngleich nicht jede angebotene Idee ein Treffer ist. Der Song "Everything You Wanted" aber ist zum Beispiel was, das überdauern wird. Das Ding ist massiv, das ist Bestenliste. Endlich wieder.

In drei Worten: Single / Experiment / Dance

Auf der nächsten Seite: Thomas Venker gibt Contra!

Kele Okereke alleine zurück in der Bestenliste oder weiter im freien Fall in die Bedeutungslosigkeit? Man ist sich zu "The Boxer" nicht ganz einig und daher ist das Album auch unser Spalter der Ausgabe.

Contra:
Dass sich Bloc Party nach ihrem dritten Album "Intimacy" vielleicht für immer ausgesetzt haben, sollte ihnen keiner vorwerfen: Die Band war über ihrem Zenit, wirkte nicht nur unstimmig im sozialen Miteinander, sondern auch uninspiriert. Wo früher aus quer liegenden Soundexperimenten Indiehits gezaubert wurden, gab es am Ende säuerliche C-Seiten-Ware.

"The Boxer" überzeugt aber nicht als Neuentwurf, sondern wirkt, als habe Kele beim Neuanfang weniger auf sich als auf all die Zuflüsterer, von denen es in der Popbranche bekanntlich viele gibt, gehört hat - passend dazu der Opener "Walk Tall" mit seinen Referenzen an militärischen Drill. "The Boxer" ist ziemlich am britischen Clubmainstream ausgerichtet. Da wird zwar 2010 auch ordentlich mit Electro-Gebratze und Drum'n'Bass-Sounds geflirtet, im Kern ist und bleibt es aber eine überhysterische Bubblegum-Welt für Leute, die nicht wirklich mehr fühlen können.

Ein seriöser Sänger wird hier nicht gebraucht, weswegen auch ordentlich Effekte auf Keles Stimme gelegt sind - damit hat er quasi der Selbstauslöschung zugestimmt. Wenn er dann doch mal wie er selbst klingen darf, beispielsweise in "Everything You Wanted", dann weiß man zwar wieder, was man an ihm liebte - aber das macht die Fallhöhe nur noch schmerzlicher.

In drei Worten: K.O. / Jungle Camp / Playback



Mehr Spalter gibt es unter www.intro.de/spezial/spalter.

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