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»Kein Entkommen«: Body Count's In The House

So war der Tatort gestern

Wir blicken zurück auf den gestrigen Krimiabend: Peter Flore widmet sich montags immer dem neuesten »Tatort«.
Geschrieben am

Ganz Wien hat die Grippe. Ganz Wien? Nein! Eine mit schier unbeugsamen Abwehrkräften ausgestattete Frau hört nicht auf, den Viren Widerstand zu leisten. Soviel zur Nebenhandlung, die dem »Tatort« wie immer (im Sinne von: meistens) eine halbwegs unsinnige oder klamaukige Klammer verpasst. Doch genug des Klamauks, wir sind hier ja nicht in Münster, sondern in Wien, der viertgrößten serbischen Stadt. Doch mit der serbischen Community, die sich im »Maxi« trifft, ist nicht gut Kirschen essen, weswegen der Wiener Tatort »Kein Entkommen« mit seinen letztlich 15 Toten der leichenreichste in der über 40-jährigen Geschichte der TV-Institution ist.

Diese Leute sollen nicht umsonst gestorben sein - und so ermitteln der Eisner und die Bibi im Millieu der serbischen Kriegsverbrecher und Ultranationalisten »Sveti Tigar«. Zusammen mit den Kollegen von Interpol (deren Hauptschnepfe anscheinend Gadget verliebt ist, immerhin zückt sie zu jeder Gelegenheit ihr Tablet) müssen die beiden dafür sorgen, dass der Body Count nicht in schwindelerregende Höhen schnellt. Kurzum: Soviel Blut, so viele Hinrichtungen von Unschuldigen waren selten im deutschen Mainstream-TV.
[usercomment=http://www.intro.de/forum/plink/3/1075711636/1328480596]Also, das Ende war doch super. Und im Gegensatz zur Entlarvung des Kinderarztes als superfieser Obernazimafiatyp auch wirklich überraschend.[/usercomment]
Doch diese Larger-Than-Life-Rechnung geht trotz einiger Unrereimtheiten auf: Dass der ehemalige Serbenführer als Siegmund Freud verkleidet ein unbehelligtes Leben als Kinderarzt im vierten Bezirk führen kann ist den Drehbuchschreibern wohl beim Versuch eingefallen, ihr Fieber mit einem Gläschen Sliwowitz und einer Knoblauchzehe zu senken. Und dass die Bibi, ganz blind vor Zorn, ab liebsten alle Serben in der Stadt ohne Warnschuss über die Donau jagen würde, wird auch nicht gerade dafür sorgen, dass die Autoren demnächst einen Deckel im »Maxi« bekommen. Aber wie an dieser Stelle schon mehrfach gesagt: Wer Realismus will, soll vor die Tür gehen. Wer Unterhaltung und nebenbei einen spannenden und für »Tatort«-Verhältnisse recht harten Krimi will, der wird auch mit »Kein Entkommen« glücklich. Zumal das Zusammenspiel von Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser einmal mehr herrlich pointiert daherkommt. Und so fahrig, wie der eigentliche Täter am Ende überführt wird, so hilflos lässt einen der anschließende Epilog zurück. Gut möglich, dass die Leichenzahl nach dem Abspann noch auf 16 korrigiert werden muss....

Das war super: Das offene Ende, dass dem Tatorttitel auf grausame Art Rechnung trägt.
Das war mies: Die überkandidelte Tablet-Schnepfe von Interpol.
Lichtblick: Die Bibi, der Moritz. Und dieser drollige Dialekt.

Nächsten Sonntag (12.02.) ermitteln sich Inga Lürsen und ihre Kollege Stedefreund in »Ordnung im Lot« dann wieder hölzern durch Bremen.

Den aktuellen »Tatort« kann man noch bis nächsten Sonntag in der ARD Mediathek anschauen, aus Jugendschutzgründen allerdings nur zwischen 20 und 6 Uhr.

»Will denn niemand was zum gestrigen Tatort schreiben?«:
Im Forum diskutieren Intro-User über vergangene und aktuelle Tatorte.

Alle Texte zum Thema »So war der Tatort gestern« unter
www.intro.de/spezial/sowardertatort.