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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Keep In Mind Frankenstein

Grand Archives

Die Momente nachtschwarzer Brillanz werden immer wieder von einem Kippeln am Abgrund der Banalität gebrochen.
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Die Momente nachtschwarzer Brillanz werden immer wieder von einem Kippeln am Abgrund der Banalität gebrochen.

Der wahre Horror beginnt, wenn Grauen, Verzweiflung und Not zur Pose gerinnen. In der Kunst zumindest. Wenn nichts bleibt als Strategien cartoonhafter Überwältigung oder, am anderen Ende des Drastikspektrums, sentimentale Milde. Dann wird von Melancholie geschwärmt, wenn Seichtheit gemeint ist, und sonore Langeweile wird mit weltenmüder Tristesse verwechselt. Derlei unerquickliche Gesten inspirationsarmer Scheindüsternis sparen sich die Grand Archives auf ihrem zweiten Album zum Glück über weite Strecken. Stattdessen kommt die Band aus Seattle bevorzugt unmittelbar auf den Punkt. Da evoziert ein hingetupftes Arpeggio der Akustikgitarre oft mehr existenzielle Nacktheit und nokturne Sehnsucht als ein Abend im Vereinsheim des Baudelaire-Freundeskreises Bremen-Schwachhausen. Und wenn ein paar energischer pedalierte Takte den folkigen Indie-Pop dramatisch zum Schweben bringen, dann klingen die Grand Archives sogar unschlagbar großartig.

Leider jedoch werden diese Momente nachtschwarzer Brillanz immer wieder von einem Kippeln am Abgrund der Banalität gebrochen. So kann es passieren, dass sich ein vielversprechend beginnendes Mini-Epos quasi-isländischer Kühle zu einem Schunkelstück verwächst, das im Programm von Truck Stop kaum fehl am Platze wäre. Zwar überwiegen die Nachweise, dass die Grand Archives ein Zusammenschluss von Musikern mit jeder Menge Soul und Deepness sind, die Songs von entrückter Schönheit schreiben können. Aber wenn sie dann doch mal schlecht sind, Hölle noch eins, dann aber auch richtig.