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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

iTunes Session bei Radio Fritz

Kate Nash live

Kate Nash gab die Premiere der iTunes Radio Fritz Sessions in Berlin. Daniel Koch war da - und hat nix gesehen.
Geschrieben am
04.12.07, Potsdam, Radio Fritz.

Ich habe Kate Nash gesehen. Ich habe mit ihr gesprochen. Ich habe ihr einen Tag vor diesem Konzert noch Platten vorgespielt. Ich kaufe den Veranstaltern also ab, dass sie da ist, auch wenn ich sie das gesamte Konzert über nicht einmal wirklich gesehen habe. Gut, ich hätte mich durchboxen, den interessierten Menschen meinen Ellenbogen in die Seite rammen können, ich hätte vielleicht die junge Dame vor mir ansprechen sollen, damit sie sich mit freundlichem Augenaufschlag nach vorne schmeichelt und ich in ihrem Windschatten folge. Ich hätte es auch machen können wie der Kollege, der unbedingt ein Foto für seine Berichterstattung brauchte, und mir den Tipp gab, dass man "auf Knien" gut vor die Bühne käme. Oder ich hätte einfach das Angebot das Apple-Pressesprechers annehmen können: "Daniel, möchtest du auch mal auf den Stuhl steigen?" Das verbot mir dann doch die eigene Eitelkeit.

Aber: Das soll hier kein Verriss werden. Mit iTunes und Radio Fritz haben sich zwei gefunden und eine gute Idee an den Start gebracht. Ähnlich wie unlängst das iTunes-Festival in London werden in Zukunft exklusive Konzerte wie dieses veranstaltet, bei denen ein Künstler oder eine Band rund eine Stunde lang Songs zum Besten geben darf. Karten werden nur verlost, dafür kann aber jeder den Gig später im iTunes-Store kostenpflichtig runtersaugen. Wer ein Ticket gewonnen hat, erhält gleichzeitig einen Code zum freien Download. Da kann man nicht meckern. Das Manko der Premiere im RBB-Funkhaus in Potsdam ist eher ein banales: Man hat eine Künstlerin, die vornehmlich (am Piano) sitzend spielt und eine Bühne, die keine ist. Da ist keine Treppenstufe, nicht mal eine bordsteinbreite Erhöhung. Augenhöhe macht ja oft den Reiz eines Konzerts aus: Aber wenn die Künstlerin sitzt, bleibt ihr nur die Hosenhöhe, während ich mich eingehend mit der Physiognomie der Hinterköpfe beschäftigen kann. Scheiße.

Dafür ist der Sound allerdings umso toller. Kates Klavier klimpert, schmeichelt, kracht, und wird mehr als einmal von dem wuchtigen Drumsound zurechtgestampft. Die Gitarren klingen derweil eher schüchtern an, was man aber auch schon von ihrem Debüt kannte. Und über all dem ist Kates Stimme, die eben nicht (nur) süßes Popgeflöte ist, sondern auch herrlich fies in Mikro fauchen kann. Was hat sie einen Spaß daran, bei 'Foundations' auch die swear words singen zu dürfen: "Then you'll call me a BITCH / and everyone we're with will be embarrased, and I won’t give a SHIT!" Sie spuckt diese Wörter ins Mikro – nicht, dass ich das gesehen hätte, aber das leise 'pffftt' ist ein guter Beweis. In den Maida Vale Studios hätte man sie spätestens jetzt vor die Tür gesetzt. Augenzeugen berichten, dass Kate bei den schnelleren Parts wild auf dem Hocker herumspingt und immer wieder ihre Haarmähne durch die Gegend wirbelt. Bei der Gelegenheit hoffte man kurz, dass sie vielleicht auch so einen Ben-Folds-Stunt im Repertoire hat und mal auf's Klavier steigt. Andererseits taugt ihr Modell da nicht unbedingt zu – das wäre auch für eine zierliche Person wie sie eine zu wackelige Angelegenheit.

Die Hightlights des kurzen aber knackigen Sets sind neben 'Foundations' besonders 'Birds', 'Skeleton Song' und 'Mouthwash' – das man nicht umsonst zur Single erkoren hat. "And I’m singing‚ oh-oh’ on a Friday night and I hope everything’s gonna be allright" – ganz wunderbar catchy das. Aber auch das hysterische 'Mariella' nervt sehr charmant, wenn sie eine halbe Minute lang "nevereverneverevernevereverneverever nevereverneverevernevereverneverever nevereverneverevernevereverneverever nevereverneverevernevereverneverever nevereverneverevernevereverneverever nevereverneverevernevereverneverever", singt. Kommentar zur Linken: "Manchmal nervt die Stimme aber auch." Antwort: "Recht so!" Am Ende bleibt's eine gelungene Premiere, die noch ein wenig Feintuning braucht für die zweite Runde. Der Sound war nach Meinung der Radiomacher jedenfalls erste Sahne, was man ungefähr in einer Woche bei iTunes überprüfen kann. Weitere Infos und Fotos gibt's bei den Kollegen von Radio Fritz.