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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Polka und Publikumsbeschimpfung

Kapaikos live

Die norddeutschen Polka-Punks haben ihrem Publikum alles geboten, was es zu einer rauschenden Nacht braucht. Das hat es nur leider nicht angenommen.
Geschrieben am
09.12.07 Köln, Sonic Ballroom.

Launig, launig, diese Herren. Um halb elf entern die sieben Kapaiken (was, so erklärten sie noch vorher beim Bier, eine norddeutsche Bezeichnung für zwielichtige Gesellen ist) die Bühne und Ole röhrt erstmal mit von den zwei Tagen bereits hörbar tourgeschädigter Stimme ein herzliches "Guten Abend, ihr Penner!" in die Runde. Offenbar will man wenigstens mit der Mieslaunigkeit der Ansagen den Punkroots des Sonic Ballroom gerecht werden. In ihre Musik hält dafür so ziemlich alles Einzug, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Da wären spontan hörbar: Zirkusmusik, kaputte Walzer, Polka, Metal und Punk. Es mag an Oles heiserem Organ liegen, aber Tom Waits fällt einem ein. Und Black Flag.

So krude, wie sich diese Beschreibung liest, wirkt denn auch die Musik auf den unvorbereiteten Hörer, das Publikum wird auch leider über weite Strecken nicht richtig warm mit der Band, mal hier, mal da wagt jemand ein Schrittchen Tanz, aber insgesamt bleibt der Abend eher zurückhaltend. Trotz verschiedener Versuche, die Anwesenden wenigstens zum Mitgrölen zu bringen (Kapaikos haben keine Texte, wenn gesungen wird, dann nur Lalala) bleibt man so kühl, als befänden wir uns im Gebäude 9, wo man ja gern mal derlei Animation abblitzen lässt. Schade, drin wär's gewesen. Selbst die langsameren Stücke, allesamt als besinnliche Weihnachtslieder angekündigt, wären durch ¾-Walzertakt immerhin noch zum Paartanz geeignet.

Auch die Band selbst hat alle Register gezogen, von Publikumsbeschimpfung hin zu freundlichen Plaudereien über den 'Tatort', von flehender Mimik und Gestik zur puren Albernheit. Das meiste davon auch noch gleichzeitig, sind Kapaikos doch zu siebt. Zusätzlich hat ihr Mischer noch einen Gastauftritt als Klezmerriese, zwei Köpfe größer als der Rest der Band und mit Klarinette.

Solche Elemente hätten ruhig häufiger kommen können, um ein bisschen Abwechslung zu bringen und das große Potential für Showeffekte auszunutzen, das die Zirkusmusik oder die Assoziationen zu Kusturica oder Bregovic bieten. Man könnte sich ein solches Konzert toll mit einem Tanzbären vorstellen oder einem Pudeldompteur. Jedenfalls etwas mit Tieren, etwas leicht räudigem, was aber noch zum Träumen einlädt und sich stur dagegen stemmt, dass es zu abseitig ist, um je großes Publikum zu ziehen, aber zu toll, um es zu lassen. Diesen Trotz hat man auch Kapaikos angemerkt, die schon allein wegen ihrer vier Mandolinen überall anecken. Dafür und für die noble Hochmut des Latrinenbeaus muss man sie lieben und, verdammt noch mal, auch mit ihnen tanzen und schreien.

Sie haben ihrem Publikum alles geboten, was es zu einer rauschenden Nacht braucht, man hat es nur leider nicht angenommen. Beim nächsten Mal sehen wir uns dann richtig dreckig, derbe und verschwommen.