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Genug der Aggression

Kante Unplugged

04.11.06, Konzerthaus, Dortmund. Bildergalerie.In der Reihe "pop_unplugged" lädt das Konzerthaus Dortmund deutsche Pop-Künstler ein, die klassische Bühne einmal anders zu nutzen und ihre Songs in akustischem Gewand zu präsentieren. Nach der Eröffnung im September ist es heute an Kante aus Hamburg, s
Geschrieben am
04.11.06, Konzerthaus, Dortmund. Bildergalerie.In der Reihe "pop_unplugged" lädt das Konzerthaus Dortmund deutsche Pop-Künstler ein, die klassische Bühne einmal anders zu nutzen und ihre Songs in akustischem Gewand zu präsentieren. Nach der Eröffnung im September ist es heute an Kante aus Hamburg, sich in gediegenem Rahmen auf neues Terrain zu wagen.

Entsprechend aufgeregt sind die fünf jungen Herren, als sie pünktlich um 21 Uhr die Bühne betreten. Zur Verstärkung haben sie sich Rainer Sell an der Posaune eingeladen. Der hat schon auf dem famosen "Zombi"-Album mitgewirkt und erweist sich als echte Bereicherung. Ansonsten ein erwartetes Bild : Allerlei akustische Gitarren neben Flügel, Schlagwerk, Perkussionen und Miniverstärkern - und ein Echtholz-Pult für Noten und Texte von Sänger Peter Thiessen. Darauf ist er auch mächtig stolz, schließlich sei er vergesslich und in einem verrauchten Rockschuppen sieht so was ja nicht aus. Heute schon. Nach kurzen einleitenden Worten ist der Kontakt zum zahlreich erschienen Publikum hergestellt, mit "Nichts geht verloren" und "Ich hab's gesehen" gibt's gleich zwei Kracher vom aktuellen Album "Die Tiere sind Unruhig". Das ist schon paradox, da hat man gerade eine echte Rockplatte aufgenommen - und erhält die Anfrage für ein Unlugged-Konzert! Entsprechend reduziert kommt aber auch der laute Teil von Kante nicht zu kurz.

Als bei "Die Wahrheit" vor lauter Elan gleich eine Saite reißt, muss das Set kurzfristig umgestellt werden. Genug der Aggression, Thiessen überbrückt gekonnt mit sympathischen Sprüchen und leitet ein in ein Liebeslied. Die Bühne ist in Rot getaucht, und die Musiker spielen sich in einen Fluss. Stark umarrangiert entwickeln die Songs von Kante zuweilen ganz neue Stärken. Sei es eine Slide-Gitarre hier, ein toller neuer Gitarrenlauf von Felix Müller bei "Im ersten Licht", oder die Melodika von Thomas Leboeg im letzten Drittel des Konzerts. Da kann man sich auch schon mal 10 Minuten gehen lassen... Deutlich besser als in den bereits erwähnten verrauchten Clubs kommt auch die Intellektualität von Thiessen - die "Philharmonie für Westfalen" lechzt schließlich nach sophisticated Vibes. Heute Abend kann er in einem der vielen instrumentalen Zwischenteile schon mal Heiner Müller (u.a. "Die Hamletmaschine") zitieren ohne als Streber zu gelten. Erkennen tut das allerdings auch niemand, obwohl oder gerade weil die Audienz zu 96% aus Kante-Fans besteht.

Nach 11 Songs in 70 Minuten dann das Rock-Ritual mit den Zugaben: Ein großer Block ist geplant, darin enthalten die spacige Prog-Jazz-Strecke "Wiener Straße" mit Kontrabass und die Fingerübung "My love is still untold". Eigentlich sollte nach dem großen Flügelschwingen namens "Die Hitze dauert an" Schluss sein, doch das begeisterte Publikum klatscht die Musiker noch einmal für eine weitere Zugabe und Verbeugungen hervor. Nach fast zwei Stunden gibt es dann rote Rosen vom Konzerthaus für glücklich-strahlende Künstler. Ein schöner Abschluss eines äußerst gelungenen Konzerts.

Das nächste "pop_unplugged" werden übrigens am 08.12.06 Blumfeld bestreiten.

Setlist:
Nichts geht verloren
Ich hab's gesehn
(Die Wahrheit)
Wo die Flüsse singen
Die Wahrheit
Wenn man im Atem inne hält
Im ersten Licht
Ich kann die Hand vor meinen Augen nicht mehr sehn
Die Summer der einzelnen Teile
Die Tiere sind unruhig
Zombi
Ein Warmer Abend
Am Rande der Nacht
Wiener Straße
My love ist still untold / ?
Die Hitze dauert an
Moon, stars and planes