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Gegen den Mief

Kamasi Washington

Jazz hat nicht unbedingt den hippsten Ruf. Vielmehr haftet dem Genre der alte Mief längst vergangener Zeiten an. Dass Jazz auch tagesaktuell, fordernd und eingängig zugleich sein kann, stellt Kamasi Washington unter Beweis.
Geschrieben am
17.11.2015, Köln, Club Bahnhof Ehrenfeld

Miles Davis, Herbie Hancock, John Coltrane. Diesen Namen haftet ein Hauch von Genialität und Legende an. Aber ebenfalls der Mief von Deutschlehrer und Karopulli. Jazz findet in den meisten coolen oder sich als cool bezeichnenden Medien nur selten statt. Was zuweilen ein grober Fehler ist, wie Kamasi Washington beweist.

Der Saxophonist aus Los Angeles hat mal verlauten lassen, dass er früher ein kleiner Gangster gewesen sei. Diese Attitüde hat er abgelegt – seine Souveränität und Coolness keineswegs. Angereist mit 7-köpfiger Band gibt er neben dem großen Saxophonisten auch den großen Entertainer. Jedes Bandmitglied stellt er mit eigener Geschichte vor: Beispielsweise Drummer Ronald Bruner Jr., übrigens Bruder von Thundercat, der laut Washington schon mit eineinhalb Jahren genauso ablieferte wie heute.

À propos abliefern: Das tut jeder der acht auf der Bühne stehenden Musiker zweifellos, was zumeist in Soli der einzelnen Bandmitglieder abdriftet. Im Gegensatz zu den meisten selbstdarstellerischen Solo-Aufführungen im Pop, Rock und auch Jazz-Bereich gelingt es der Band um Kamasi Washington, die eigenen Fähigkeiten immer in den Dienst des Songs zu stellen. Soli als reinen Selbstzweck finden sich hier nicht; immer steht der gesamte Song und dessen Arrangement und Entfaltung im Fokus.

Entfaltung kann Kamasi Washington definitiv. Sein dieses Jahr veröffentlichtes Debüt-Album »The Epic« beläuft sich auf fast drei Stunden Spielzeit. So lange geht es an diesem Abend nicht und erst recht werden nicht ansatzweise alle Songs gespielt. Die wenigen werden von der Band jedoch noch weiter verfeinert, ausformuliert und geschmückt, ohne dabei auf Kosten ihrer Eingängigkeit zu gehen und beweisen dadurch, was Jazz alles sein kann: Cool und fordernd, mitreißend und anspruchsvoll zugleich.