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Gestatten, mein Name ist Mob

Kaiser Chiefs

Der Name spricht Bände: 'Yours Truly, Angry Mob', das neue Album der Kaiser Chiefs beendet deren kurze Karriere als fröhliche Nanana-Band und kommt zuweilen fast trotzig daher.
Geschrieben am

Am 26. Februar erscheint mit 'Yours Truly, Angry Mob' endlich der Nachfolger des überaus erfolgreichen Kaiser Chiefs-Debüts 'Employment', an dessen Fußballecken-Ohs und Nananananas lange Zeit niemand vorbeikam, der beim Wort Hookline nicht sofort das Fremdwörterbuch aufschlagen muss. Das ging dann soweit, dass die Band aus dem englischen Leeds schnell auch ihrem Ruf als Tralala-Kapelle hinterhereilte, wie es schlecht meinende Zeitgenossen gerne kundtaten, wenn sie sich an 'I Predict A Riot' totgehört hatten. Aber auch Sänger Ricky Wilson schien nicht in dieses Strickmuster verfallen zu wollen, "We don't wanna be 'Ricky Wilson And The Chappy Chaps'" pflegte er dann zu sagen. Vielleicht ist deshalb auf 'Yours Truly, Angry Mob' kein Ah, kein Oh zu viel. Streng genommen sogar gar keines vorhanden und man kommt fast patzig daher, natürlich aber immer noch catchy as hell. Ein Ausblick.

'Ruby', wir berichteten, wird die erste Single und es braucht keine Minute um zu wissen, warum. Deutlich rougher als auf dem Debüt steigt der Gitarren-Riff ein und alles arbeitet nur auf diesen Refrain hin: "Ruby Ruby Ruby Ruby, do you, do you, do you, do you". Geht auf kein T-Shirt, aber in jedes Ohr, versprochen.

'The Angry Mob', eine Art Janus-Kopf, mit zwei verschiedenen Songteilen. Der Namensgeber entwickelt sich erst auf dem letzten Absatz seinem Namen entsprechend, dann nämlich wenn aus der Midtempo-Nummer ein düsterer Work Song geworden ist, dessen Postulat "We are the angry mob / we read the papers everyday" in den dunklen Gassen einer imaginären Arbeitersiedlung nachhallt. Blur-Vergleiche sind zwar zwingend, aber unerwünscht. Sagt Ricky Wilson.

'Heat Dies Down', ein klassisches Beispiel für Dichtung und Wahrheit. Während Drummer Nick nicht müde wurde zu erklären, dass es sich bei dem catchy Refrain eben nicht um eine bittere Bestandsaufnahme des Lebens eines Rockstars handele, übersah das die Presse einfach und erklärte die Kaiser Chiefs fast schon zu ausgelaugten Newcomern. "When the heat dies down / I'll be back in town" singt Wilson und meint natürlich das Tohuwabohoo um seine Person, unter anderem. Geht gut nach vorne.



'High Royds', einer der Songs, die schon eine gelungene YouTube-Premiere als verwackelte Handyaufnahme mit Bollersound feierten. 'High Royds' (nicht: High Roads) handelt von einer Irrenanstalt, die gegenüber der Schule lag, in die Ricky und Nick als Kinder gingen. Huch, singen hier doch wieder alle Falsett und uhuhuhuhuh? Einmal ist kein Mal. Starker Up-Tempo-Track.

Ruhig wird's dann mit der getragenen Akustiknummer 'Love Is Not A Competition (But I'm Winning)'. Als Catchphrase, siehe oben, dann auch für's T-Shirt geeignet. Insgesamt verspricht der Titel aber im Vorfeld mehr, als der Song dann halten kann. Etwas zu beliebig versandet der Track im Nirgendwo, gut zum Luftholen.

Dann knallt uns Wilson ein akzentuiertes 'Thank You Very Much' um die Ohren und das ist dann fast schon Punkrock. OK, Pop-Punk. Spätestens hier wird klar, dass die Kaiser Chiefs die Politur recht sparsam eingesetzt haben, manche Tracks kommen sehr rough und ungehobelt daher, in Puncto Größenwahn und Angeberposen indes haben sie weiterhin die Spendierhosen an.

Mit 'I Can Do Without You' und 'My Kind Of Guy' folgen die vielleicht schwächsten Tracks des neuen Albums, wohlgemerkt: Nach einmal Hören. Da kann man schon mal motzen und sich später dann beschämt vom Gegenteil überzeugen lassen, der erste Eindruck bleibt durchwachsen.

Nicht so bei 'Everything Is Average Nowadays', noch so ein Slogan, der vielleicht am ehesten an Songs wie "I Predict A Riot" oder "Everyday I Love You Less And Less" gemahnt. Um keine Zeit zu verschwenden, startet die Band gleich mal mit einem Refrain. Warum nicht? Kaiser Chiefs at their best.

'Boxing Champ' ist eigentlich nur ein Interlude, Nick am Klavier. Ein Gimmick, vielleicht auch Intro zu 'Learnt My Lesson Well', dem Stomper des Albums. Der Bass stampft runter in den Keller, darüber fabuliert Wilson vermutlich über Beziehungsprobleme: "What are you waiting for?" wiederholt er. Die Antwort, siehe Songtitel, scheint er zu kennen.

Das Album zieht gegen Ende dann noch mal richtig an: 'Try Your Best' und der 'Employment'-Seitenhieb 'Retirement' ziehen kompakt und gekonnt den Schlussstrich. Arbeit, Rente - bleibt die Frage nach dem danach? Wir warten auf Album Nr. 3.