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Employment

Kaiser Chiefs

An einer gesunden Portion Selbstbewusstsein scheint es den Kaiser Chiefs nicht zu mangeln, wenn "Employment" im Booklet als "an exciting new CD suitable for 6 million listeners" vorgestellt und angepriesen wird. Die fünf jungen Herren aus Leeds haben noch einiges vor - und ihre Ziele inzwischen
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An einer gesunden Portion Selbstbewusstsein scheint es den Kaiser Chiefs nicht zu mangeln, wenn "Employment" im Booklet als "an exciting new CD suitable for 6 million listeners" vorgestellt und angepriesen wird. Die fünf jungen Herren aus Leeds haben noch einiges vor - und ihre Ziele inzwischen höher gesteckt: Bei Bandgründung 2003 war es der Traum, im Folgejahr beim örtlichen Festival nachmittags auf der Bühne zu stehen. Heute vertreten Ricky Wilson (Gesang), Andrew "Whitey" White (Gitarre), Simon Rix (Bass), Nick "Peanut" Baines (Keyboards) und Nick Hodgson (Schlagzeug) beim Live8-Größenwahn in Philadelphia als einzige Band Großbritannien. Und das alles nach nur einem Album. Es ist Britpop, wie er 2005 geschrieben wird: eingängige und simple Arrangements mit Melodienreichtum; eine Mischung von ausgeklügelten Sounds und "Na-na-na"- und "La-la-la"-Refrains; meisterhaftes, aber auch unoriginelles Epigonentum aus dem Besten vergangener Jahrzehnte. Namen gäbe es viele zu droppen: Blur, The Jam, Supergrass, Madness, XTC. Produzent Stephen Street, der schon bei The Smiths, Morrissey und eben Blur die Regler bediente, verzichtete auf unnötige Spielereien und brachte alles in einen stimmigen Zusammenhang. In den Texten thematisiert Wilson das normale Leben vor seiner Tür, also die drei wiederkehrenden Probleme: kein Geld, keine Freundin und keine Ahnung, wie es weitergehen soll. Vor dem letzten Refrain von "Oh My God" stellt man sich die herausgeschrieene Euphorie beim InterRail vor, wenn man auf einem kleinen portugiesischen Bahnhof einem neu gewonnenen Kumpel in die Arme fällt und skandiert: "Oh my god, I can't believe it / I've never been this far away from home." Neben "I Predict A Riot" sticht dieser Song heraus, weil nicht nur Oasis für ihre letzten Alben gerne solche Hits geschrieben hätten. Ein Debüt, das in seiner abgebrühten Eingängigkeit beinahe Angst macht. Das Positive daran: Die Platte hat eine unglaubliche Dichte an guten bis sehr guten Songs und kaum Ausfälle zu verzeichnen. Das Negative: Es hapert an innovativen und spannenden Momenten, um über Spitzenplätze in den Leserpolls zum Jahresabschluss hinaus lange Bestand zu haben. "Employment" ist für den Kick, für den Augenblick - und womöglich auch für sechs Millionen Hörer.