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Son Of A Preacher Man

K-Os.

"Easyjet sucks!" K-Os, sonst ganz der Anti-Kommerz-Rapper und immer für eine neue Bescheidenheit im HipHop zu haben, versteht nicht ganz, warum seine Plattenfirma nicht etwas mehr Bling-Bling springen lässt, um ihn auf Promo-Tour durch Europa zu schicken. Schließlich hat sein neues Album "Joyful Reb
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"Easyjet sucks!" K-Os, sonst ganz der Anti-Kommerz-Rapper und immer für eine neue Bescheidenheit im HipHop zu haben, versteht nicht ganz, warum seine Plattenfirma nicht etwas mehr Bling-Bling springen lässt, um ihn auf Promo-Tour durch Europa zu schicken. Schließlich hat sein neues Album "Joyful Rebellion" nach letzten Angaben in der kanadischen Heimat bereits Gold-Status erreicht. Doch nicht die Billig-Airline, sondern wieder mal ein Streik in Paris ist schuld an der Verspätung beim heutigen Interview-Marathon. K-Os jedenfalls bestellt sich erst mal ganz entspannt beim Thai-Imbiss um die Ecke was Vegetarisches und erklärt dann in aller Ruhe, worum es bei seiner aktuellen Single "Crabbuckit" geht: "Es gibt bei uns den Ausdruck 'like crabs in a bucket'. Bei Krabben in einem Eimer beobachtet man folgendes Phänomen: Eine Krabbe, die versucht, aus dem Eimer herauszuklettern, wird jedes Mal von den anderen Krabben wieder heruntergezogen - ein Sinnbild für eine Art selbst gemachte Ghetto-Mentalität."

Für den in Trinidad geborenen Rapper war dieser Eimer lange Zeit seine Heimatstadt Toronto und Genre-HipHop im Allgemeinen. Kanada kennt zwar keine echten Ghettos, aber auch Mittelstands-MCs entwickeln Minderheits-Komplexe, wenn ihr großes Talent über Jahre unerkannt bleibt. Für K-Os kam die Wende mit dem Erfolg seines 2003er-Debüts "Exit", das ihm erste Aufmerksamkeit in den Staaten und den Tour-Support seiner Jugendhelden De La Soul und Roots einbrachte: "Diese Tour hat mir gezeigt, was HipHop außerhalb von Nordamerika bedeutet. In Frankreich, Deutschland oder Schweden zu spielen und zu sehen, dass hier die Grenzen von HipHop viel offener sind, hat meine eigene Sicht sehr erweitert." Folglich schert sich "Joyful Rebellion" auch wenig um vermeintliche Genre-Regeln. Die Stücke leben stärker von ihrer Melodiosität als von ihren fetten Beats; die Single "Crabbuckit" zitiert in ihrer Bassline sogar einen gospelmäßigen Oldie wie "Hit The Road Jack" von Ray Charles. Viele Songs sind um die Akustikgitarren herum aufgebaut und nehmen Jazz, Soul und Reggae-Elemente in sich auf. Diese Roots-Mentalität kommt bisweilen recht folkig-hippiemäßg rüber, passend zu K-Os' Strategie, sich neben dem HipHop-Underground mit einem Genre-Crossover à la Wyclef Jean eine neue Fangemeinde im Pop-Bereich aufzubauen. Dazu passt auch der Schuss Spiritualität, die bereits seine 2003er-Hitsingle "Heaven Only Knows" durchscheinen ließ. Für K-Os scheinen Rebellion und Religion kein gedanklicher Gegensatz zu sein: "Meine Eltern sind Zeugen Jehovas, und ich war von meiner Geburt an Teil dieser Kirche, bis ich mich mit sechzehn davon gelöst habe. Man kann sich aber nie ganz davon distanzieren. Du kannst gegen irgendwelche Religionen sein, aber du kannst nicht gegen Gott sein. Das steckt in jedem von uns drin."