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»Nur für Frauen«

K.I.Z live in Köln

Im Rahmen ihrer »Nur für Frauen«-Tour gaben K.I.Z ein Konzert vor 2000 weiblichen Fans in Köln und kontern – verkleidet als Nonne, Schulmädchen und Marie Antoinette – gekonnt die hartnäckigen »Ausziehen, ausziehen!«-Rufe aus dem Publikum.

Geschrieben am

05.03.2018, Köln, E-Werk

Seit sieben Jahren veranstalten K.I.ZFrauenkonzerte – Mal für Männer, die sich als Frauen verkleiden, mal für ein komplett weibliches Publikum. Dieses Jahr hat sich die Idee zu einer ganzen Tournee erweitert. In acht Städten macht die Tour halt, bis sie schließlich am Weltfrauentag am 8. März in Berlin endet. Wenn man bedenkt, dass bei einem üblichen K.I.Z-Konzert der Großteil des Publikums männlich ist, ist es schon bemerkenswert, dass die gesamte Tour bereits nach wenigen Minuten restlos ausverkauft war. Obwohl die Kölner bekannt sind für ihre karnevalistische Liebe zu Verkleidungen, versucht hier, im Gegensatz zu anderen Städten, kein Mann, als Frau verkleidet durch die Einlasskontrolle zu kommen. Oder die Verkleidung ist einfach so gut, dass er nicht auffliegt.

Neben Frauenklostern und Mädchenschulen ist das K.I.Z-Frauenkonzert vielleicht der einzige öffentliche Raum, wo Frauen unter sich sind. Schon beim Einlass spürt man den Unterschied: Es gibt weibliches Sicherheitspersonal, Barkeeperinnen und man darf sogar das Männerklo benutzen, da es ja sonst niemand tut. Die wenigen Techniker und Fotografen laufen mit blonden Perücken herum und auch im Vorprogramm haben sich die Drunken Masters in ihre schönsten Kleider gezwängt. Aber die originellsten Verkleidungen haben immer noch die drei Berliner Rapper: Maxim als Schulmädchen-Britney, Nico im Stil von Marie Antoinette und Tarek als sexy Mutter Oberin. Auf die vielen »Ausziehen, ausziehen!«-Rufe kontern die Jungs: »Ich habe doch nicht dermaßen viel Zeit für mein Äußeres gebraucht, um mich jetzt auszuziehen!«.

Wenn man denkt, man hat schon alles gesehen, kommen 2000 Frauen, die im Chor Textzeilen wie »Ich gebe ihr von hinten wie ein Staffelläufer« oder »Wenn mein Schwanz nicht in dich reinpasst, dann kommt er mit dem Trichter« schreien. Alleine für dieses Bild lohnt sich der Besuch. Im Vergleich zu einem üblichen K.I.Z-Konzert geht es harmloser zu. Es wird zwar gepogt, geschrien und geschubst, aber man muss sich zu keinem Zeitpunkt Angst um seine Zähne machen. Die Stimmung ist wild, aber respektvoll, und die Frauen, die in Ohnmacht fallen, werden sofort vorsichtig weggetragen. K.I.Z stellen klar, dass sie diese Konzerte nicht als Schutzräume für Frauen veranstalten, wie sie es zuvor ankündigten. Der wahre Grund: Sie möchten sich gerne kleiden, wie sie wollen. Das Frauenkonzert ist ihr Schutzraum.

Nach dem Konzert erörtert eine Besucherin in der Garderobenschlange ihre Theorie zum Erfolg der Frauenfestivals: »Vielleicht verlief das Konzert so friedlich, weil das ganze Östrogen nur auf die einzigen männlichen Wesen auf der Bühne ausgerichtet war.« Das würde für K.I.Z heißen: alles richtig gemacht. Allein die abgenutzten Klischees und Phrasen, mit denen sie die Ansagen zwischen den Songs gestalten, könnten sie nächstes Mal weglassen.

K.I.Z.

Hurra die Welt geht unter

Release: 10.07.2015

℗ 2015 K.I.Z, under exclusive license to Vertigo/Capitol, a division of Universal Music GmbH

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