×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Hahnenkampf

K.I.Z.

"Untergrund bedeutet, ans Mic kann jeder Penner / Untergrund bedeutet, auf die Party komm'n nur Männer." Diese Zeile von K.I.Z. habe ich mir irgendwann mal in meine Zitatsammlung geschrieben. Und das ist, wenn man sich den Quote durchliest, doch auch nur verständlich. Eher un
Geschrieben am

"Untergrund bedeutet, ans Mic kann jeder Penner / Untergrund bedeutet, auf die Party komm'n nur Männer." Diese Zeile von K.I.Z. habe ich mir irgendwann mal in meine Zitatsammlung geschrieben. Und das ist, wenn man sich den Quote durchliest, doch auch nur verständlich. Eher ungewöhnlich der Umstand, dass ich dazu komme, ihn hier zu präsentieren. Denn im Intro gibt's nichts zu K.I.Z. Keine Widerrede. Ansage Nummer eins, ihr Scheißgesichter da draußen. Punkt, aus.

Dabei würde es sich wirklich lohnen. Schon seit über einem Jahr köchelt es unüberhörbar um die vier Berliner. Und seit sie vom Stamm-Label Royal Bunker zu Universal gewechselt sind, stehen hier die Telefone nicht mehr still. Quasi. Einige wollen was drüber schreiben, vielen wollen von uns verlangen, dass wir auf den Zug aufspringen. Und es wundert ja auch nicht. K.I.Z. verkörpern noch mehr als seinerzeit Sido den Witz und die Lächerlichkeit der sonst so angestrengten HipHop-Hate-Speech. Ohne HipHop dabei zu verraten.

Ihre Beleidigungen klingen fantasievoll bis übergeschnappt, aber niemand muss dabei Angst haben, hier käme eine Renaissance des gymnasialen Reihenhaus-Rap. Nein, K.I.Z. kommen amtlich und trotzdem clever rüber. Das macht sie wegen der Drastik interessant für die pickelige Szene, die Punchlines auch über IQ 80 zu verarbeiten bereit ist, das macht sie aber auch interessant für "TV Total" und Co., weil eine ironische Brechung es ermöglicht, sich mit krassen Inhalten zu schmücken, und es macht sie interessant für die medial verhandelten Moral-Diskurse, die übertriebene Texte gern eins zu eins lesen.

Fazit: Um K.I.Z. kommt man nicht mehr rum. Außer bei uns. Denn trotz all der geilen Eloquenz handelt es sich hier ja nicht um eine Persiflage, sondern um Styler, die es halt gut drauf haben - und sexistische Lyrics "gewinnen" ja nicht dadurch, dass sie ausgefeiltere Bilder bemühen. Im Gegenteil. Je smarter die Reaktion auftritt, desto unangenehmer. Wer das Ding also auf dem berüchtigten und bebrillten Nix-Checker-Popkulturniveau aufbereitet haben möchte, den müssen wir enttäuschen. Das war's hier mit K.I.Z. Aber die Kollegen unseres befreundeten Blattes Spex halten HipHop-Sexismus ja gern mal für einen lästigen Nebenwiderspruch und lassen daher in Genuss einer Story zur Band kommen. Dahin seien also alle verwiesen, die es nicht lassen können. Aber schön reumütig wieder zurückkommen! PS: Der Albumtitel des Vorgängers "Böhse Enkelz" war übrigens echt nicht witzig. Und falls das nur Provokation sein sollte, die ist eh uncool.