×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Die Comedian Harmonists des HipHop

Jurassic 5 live

17.10. Berlin, Columbia Club. Viele der Anwesenden schienen jahrelang auf dieses Konzert gewartet zu haben. Man wusste immer nur von anderen oder aus der Zeitung, dass Jurassic 5 aus Los Angeles neben den Roots als bester HipHop-Live Act gelten. Entsprechend erwartungschwanger war die Stimmung vor K
Geschrieben am
17.10. Berlin, Columbia Club. Viele der Anwesenden schienen jahrelang auf dieses Konzert gewartet zu haben. Man wusste immer nur von anderen oder aus der Zeitung, dass Jurassic 5 aus Los Angeles neben den Roots als bester HipHop-Live Act gelten. Entsprechend erwartungschwanger war die Stimmung vor Konzertbeginn.

Zunächst musste man sich noch mit Dead Celebrity Status aus Kanada anfreunden. Auf deren Flyer sahen die aus wie Linkin Park oder andere crossovernde Sport-Rocker. Und tatsächlich gibt's als Ouvertüre Guns N' Roses "Welcome To The Jungle", was aber eigentlich ganz erfrischend kommt. Leider muss man sagen, das Dead Celebrity Status typische Vertreter des nord-amerikanischen Underground-HipHops sind: unspektakulär und ziemlich durchschnittlich. Das kann auch der Plattenspieler-Heavy Metal ihres preisgekrönten DJs nicht wirklich ändern.

Dann nach einer Pause kommen unter großem Jubel fünf Herren aus South Central, Los Angeles auf die Bühne, die so gar nicht den Stereotypen, die man mit ihrer Nachbarschaft verbindet, entsprechen. Früher noch waren Jurassic 5 zu sechst (sie hießen dennoch J5). Vor der aktuellen Platte stieg dann allerdings ihr zweiter DJ, Cut Chemist, aus, und so muss DJ Nu-Mark nun auf Tapeziertisch-Länge zwischen Plattenspielern, Battle-Mixern und Samplern hin und her hechten, was ihm aber vortrefflich gelingt. Einer nach dem anderen kommen die vier MCs, Akil, Soup, Mark 7 und Chali 2na auf die Bühne. Fast hat man das Gefühl, als ständen einem die Daltons gegenüber; zumindest könnten sich die vier auch wie die Orgelpfeifen aus den Lucky Luke-Comics aufstellen. Dies würde aber der Agilität ihrer Live-Show Abbruch tun, und so veranstalten die vier MCs, die wie ein einziger zusammen klingen, einen Belgischen Kreisel am Mikrofon. Die Harmonie in Stimme und Flow geht soweit, dass man denkt, man hätte die Comedian Harmonists als Rapper vor sich. Vor allem die sonore Stimme des Riesen Chali 2na sorgt für Begeisterung.

J5 sind live eine HipHop-Crew, die im Gegensatz zu anderen Rap-Gruppen weniger durch Call-and-Response-Mätzchen Stimmung erzeugt, sondern dies alleine durch ihre stetige Bühnenpräsenz und Nähe zum Publikum schafft. Zudem gibt es auflockernde Show-Elemente: Einmal zwängen sich die vier Front-Menschen in kleine Pennäler-Stühle mit je einem Sampler vor sich, bauen live einen kleine Beat zusammen, und freuen sich darüber einen Loch in den Bauch, mal kurz ihre Stimmen zu schonen. DJ Nu-Mark wiederum bekommt an anderer Stelle eine Apparatur auf die Bühne gestellt, an der er seine Fingerfertigkeiten vorführen kann.

Fast zwei Stunden Programm gibt es von J5 - am Ende merkt man ihnen sichtlich an, wie viel Spaß ihnen diese Berlin-Show gemacht hat.