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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

So This Is Goodbye

Junior Boys

Im Gegensatz zu Majors haben Indie-Labels meist ein klares Profil. Wo “Sub Pop” draufsteht, ist in der Regel auch Sub Pop drin und nicht Mille Plateaux oder Mego. Diese Binsenweisheit macht Domino mit den Junior Boys zunichte. Das Label für gediegene Indie-Melancholie von Will Oldham bis Elliott Smi
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Im Gegensatz zu Majors haben Indie-Labels meist ein klares Profil. Wo “Sub Pop” draufsteht, ist in der Regel auch Sub Pop drin und nicht Mille Plateaux oder Mego. Diese Binsenweisheit macht Domino mit den Junior Boys zunichte. Das Label für gediegene Indie-Melancholie von Will Oldham bis Elliott Smith schert aus der Reihe und schenkt uns glasklaren Synthie-Pop, der zu einer anderen Zeit – nämlich rund um 1982 – mit Sicherheit die Top-Ten erobert hätte. Der radikal auf alt getrimmte Sound ist auf nur drei Komponenten reduziert: Keyboard-Melodien, Drumbox und gediegener Pop-Gesang. Schmachtend, aber minimalistisch. Dass die Junior Boys aus Kanada stammen, hört man diesem auf britisch getrimmten Artefakt mit Föhnwellen-Ästhetik absolut nicht an. Im Gegensatz zur Retro-Ästhetik von The Faint wirken die zehn Songs jedoch wie seit 25 Jahren eingefroren und soeben erst wieder aufgetaut – ohne Ironie des Zitats, ohne doppelbödige Postmodernismen. Verliebt in die Pop-Gespinste von einst, ist auf “So This Is Goodbye” alles so authentisch auf alten, nicht-authentischen Pop geschaltet worden, dass man dies den ahnungslosen Menschen da draußen problemlos auch als Reissue eines verschollenen Talk-Talk- oder New-Order-Nebenprojekts hätte verkaufen können. Was letztlich zählt, ist allerdings, dass hier offenkundig kein Publikum von “Ü30”-Partys angesprochen werden soll. Denen dürften die Stücke der Junior Boys nämlich zu verträumt sein, zu wenig für Anmache auf dem Tanzboden geeignet. Und das wiederum adelt dieses seltsame Projekt.