×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Sprained Ankle«

Julien Baker

Julien Bakers Debütalbum ist leicht instrumentiert, aber schwer behangen. Mit dem überfälligen internationalen Release über das Label Matador schwindet auch die letzte Ausrede, es nicht gehört zu haben.
Geschrieben am
Der verstauchte Knöchel ist ein beliebtes dramaturgisches Werkzeug unter minderbegabten Drehbuchschreibern des Horrorgenres. Und er ist eine schöne Metapher für kleine Dinge, die das große Ganze empfindlich stören. Nicht ganz zufällig outet sich Julien Baker auf ihrem Debüt »Sprained Ankle« als Beute ihres Schicksals. Das tun zwar viele ihrer Zunft; so stilsicher und distinguiert wie sie allerdings nur jene, denen es tatsächlich im Blute liegt, von den Lasten eines Erdenlebens zu erzählen. Denn mal ehrlich: Wer sich ständig durch Singer/Songwriter-Alben arbeitet – sei es wegen Schlafstörungen, zur Selbstgeißelung oder auf der Suche nach den wahren Pächtern der Weisheit in Verarbeitungsfragen –, der mag Ernüchterungen vermutlich immer besser verarbeiten, mit etwas Pech aber an einen Punkt gelangen, an dem die Zwecklosigkeit eines gesamten Genres im Raum steht. Tja. Und da müssen dann Platten wie diese her – damit man wieder weiß, wofür man es tut. Platten, die zeigen, dass auch Kastanienmännchen monolithische Denkmäler sein können, wenn die Richtige sie erbaut. Abwartend, sich vortastend, geduldig horchend – so hat Baker, damals 19, dieses Album gefertigt, und genau so sollte es auch vom Hörer absorbiert werden. Der Geist des Verharrens hängt in dieser Sammlung feinschichtig instrumentierter One-Take-Songs; ins Phrasen-Limbo der gestörten Befindlichkeiten gleitet die Jung-Slowcorelerin trotz ihrer stilbildenden Verletzlichkeit zu keiner Zeit ab. Im Gegenteil: Mit dem ihr eigenen Erzählcharme trifft sie wortwörtlich ins Schwarze und vaporisiert ihren und unseren Leidensdruck. Zurück bleibt eine anschmiegsame akustische Wärme.

Julien Baker

Sprained Ankle

Release: 17.11.2016

℗ 2016 Matador