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Musik mit Seele

Julien Baker live in Düsseldorf

In ihrem Songs hadert die junge Singer/Songwritern Julien Baker mit der Religion und ihrem Glauben. Live passt der reduzierte, verhallte Sound ihres aktuellen Albums »Turn Out The Lights« aber wunderbar in Gotteshäuser, wie ihr Auftritt in der Düsseldorfer Johanneskirche beim New Fall Festival bewies.
Geschrieben am
16.11.2017, Düsseldorf, Johanneskirche (Bachsaal)  

»Der nächste Song handelt von Religion«, sagt Julien Baker, bevor sie gegen Ende ihres Konzertes »Rejoice« anstimmt. Passender hätte die Johanneskirche als Spielstätte für ihren Auftritt im Rahmen des Düsseldorfer New Fall Festivals also nicht gewählt sein können. Auch im siebten Jahr ihres Bestehens überzeugt die Konzertreihe in ausgewählten Düsseldorfer Spielstätten durch ein exquisit zusammengestelltes Programm, zu dessen Höhepunkten die schmächtige Musikerin aus Memphis zählt. Ihr zerbrechlicher und andächtiger Indie-Folk besticht live durch eher leise Töne.
 

Schade nur, dass die 21-jährige Newcomerin nicht vor dem Altar der Kirche auftritt, sondern zu recht später Stunde im angrenzenden kleineren Bachsaal. Der wirkt im direkten Vergleich zum ebenfalls während des Festivals bespielten Kirchensaal etwas schmucklos, passt andererseits aber gut zum schlichten Sound-Gewand der Singer/Songwriterin, die wie kaum eine andere die Kunst des Weglassens in ihrer Musik beherrscht. 
Ähnlich konzentriert und kompakt gestaltet sich der Konzertabend generell. Pünktlich um 22 Uhr betritt Baker die Bühne und eröffnet ihr Set ohne Umschweife mit »Appointments«, dem düsteren Opener ihrer im Oktober veröffentlichten zweiten LP »Turn Out The Lights«. In bester Folk-Manier bestreitet die gewohnt wortkarge Musikerin das komplette Konzert wie schon auf der vorangegangenen Deutschland-Tournee nur allein mit ihrer Gitarre (von einem kurzen Keyboard-Intermezzo im Mittelteil abgesehen) und unterstreicht, dass das eindrucksvollste Instrument in ihrem Set noch immer ihre Gänsehautstimme ist. Und schon nach knapp 60 Minuten intensiver Gefühlsverausgabung ist nach dem Stück »Something« vom gefeierten Debüt »Sprained Ankle« Schluss. Eine Zugabe gibt es trotz begeisterter Zurufe aus dem Publikum nicht. Weniger ist manchmal eben mehr, auch wenn dieser gelungene Konzertabend trotz aller stimmigen Kompaktheit ruhig ein wenig länger hätte gehen dürfen.

Julien Baker

Turn Out the Lights

Release: 27.10.2017

℗ 2017 Matador