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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Manchmal kommen sie wieder

Juliana Hatfield

Gefühlte zehn Jahre ist es jetzt her, dass dieses Lied aus dem Radio tönte, dessen Refrain ging >A heart that hurts is a heart that worksalternativer< Rockmusik lautete >My way or the Highway< (Limp Bizkit). Juliana Hatfield ist aber wieder zurück, hat ein neues Album gemacht, und ist insgesamt zu
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Gefühlte zehn Jahre ist es jetzt her, dass dieses Lied aus dem Radio tönte, dessen Refrain ging >A heart that hurts is a heart that worksalternativerMy way or the Highway

Ist das sehr enttäuschend?
Ach wo! Es wäre halt nur nicht das erste Mal, dass Neunziger-Jahre-Veteranen trotz ihrer Qualitäten auf Nimmerwiedersehen verschwänden. Mitte der Neunziger schien aber auch irgendwie jede Band unter Vertrag genommen zu werden, bevor die Plattenfirmen sie dann nach und nach wieder rausgeschmissen haben.
Du warst aber selber mal sozusagen ein Star der „Alternative Nation“. Bleiben da keine Entzugserscheinungen?
Es hält sich in Grenzen. Als >God’s Foot Das war dein drittes Major-Album, das dann irgendwie in der Schublade blieb?
Ja. Sie haben beschlossen, es nicht herauszubringen, sich aber gleichzeitig geweigert, es freizugeben, so dass ich mein eigenes Album hätte zurückzukaufen müssen. Wozu ich nicht das Geld hatte. Ich bin also zu teuer für mich. Ich musste schließlich zum Labelchef gehen und darum betteln, meinen Vertrag aufzulösen und mich gehen zu lassen, obwohl die sich offenbar eh nicht mehr für mich interessierten.
Jetzt ist die Hausnummer deines neuen Labels etwas kleiner. Macht das die Freiheit größer?
Allerdings. Wenn ich nicht viele Platten verkaufe, ist das in Ordnung für mich. Ich schreibe halt ziemlich viel und bringe auch fast jedes Jahr eine Platte raus, so dass ich einigermaßen gut davon leben kann. Der Underground hat mich wieder [lacht]!
Deine Songs handeln ja von jeher meistens von den unappetitlicheren Seiten des Seelenlebens sind dabei schon fast zwanghaft selbstbezichtigend. So jedenfalls der Eindruck. Woher kommt das?
Ich mag es einfach, wenn Songs ehrlich und wahr sind. Aber sie sind andererseits keine Tagebucheinträge. Ich würde ungern irgendwelche peinlichen Details über mein Leben enthüllen. Ich verstecke die spezifischen Fakten. Es gibt nicht viel, was die Leute über mein Leben wissen. Es soll ehrlich klingen, aber nicht privat.
Gerade weiblichen Songschreiberinnen wird dieser Luxus aber oft nicht zugestanden, bzw. diese erhabene Perspektive nicht zugetraut.
Ich denke auch, viele Leute haben das Gefühl, sie wüssten genau, über was ich rede, auch wenn das gar nicht der Fall ist. Und sicher gibt es diese Art von Sexismus in einer Branche, in der Frauen größtenteils aus dem Radio verbannt werden. Ich versuche, weil ich darüber keine Kontrolle habe, nicht zu viel darüber nachzudenken. Das einzige, was ich kontrollieren kann, ist die Musik, mit der ich einige Leute erreichen kann. Ich kann weder die Welt noch den alltäglichen Sexismus darin erklären. Das Beste, was ich machen kann, ist das zu ignorieren, und dadurch seine Existenz zu leugnen.
Und das funktioniert?
Es funktioniert für mich. Ich lasse mich nicht ausbeuten, und ich bin nicht desperate, diese Selbstvermarktung mitzumachen. Wenn man sich nicht manipulieren lässt, tut man damit schon eine ganze Menge.
Offensichtlich schreibt man dann auch Songs, die >Sunshine
Ich schätze, es ging mir einfach immer zu schlecht dafür. Und in letzter Zeit fühle ich mich plötzlich weniger schlecht.