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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

became what she is!

Juliana Hatfield

Schon nach den ersten musikalischen Gehversuchen mit den BLAKE BABIES war ihr Name auf süßlichen Gitarrenpop festgelegt. Ein Image, das sie bislang nicht ablegen konnte. Weitaus schlimmer noch klebt ihr der Flirt mit Evan Dando - Juliana arbeitete an mehreren LEMONHEADS-Alben mit - an den Stiefeln.
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Autor: intro.de

Schon nach den ersten musikalischen Gehversuchen mit den BLAKE BABIES war ihr Name auf süßlichen Gitarrenpop festgelegt. Ein Image, das sie bislang nicht ablegen konnte. Weitaus schlimmer noch klebt ihr der Flirt mit Evan Dando - Juliana arbeitete an mehreren LEMONHEADS-Alben mit - an den Stiefeln. Kein Blatt, das nicht über eine Affäre zwischen dem Teenie-Idol und der kleinen Chanteuse berichtete. Damit einher ging der Aufkauf des US-amerikanischem Undergrounds durch die Industrie, der die Filtrierung nicht so berühmter, aber besserer Acts unter den vielen mittelmäßigen sukzessive erschwerte. Nach zwei Alben löste Juliana deshalb ihre Band, die J.H.THREE, auch wieder auf. "Der Drummer stieg aus, also entschied ich mich, allein weiterzumachen." Die Voraussetzungen für die Karriere der zierlichen Dame mit der charmanten Stimme standen denkbar schlecht. Darüber hinaus zogen der Ortswechsel und das häufige Alleinsein eine intensive Beschäftigung mit sich selbst nach sich.
Einer Phase schöpferischen Stillstands folgte eine schicksalhafte Trotzreaktion. JULIANA HATFIELD schrieb auf einmal Songs wie am Fließband. "Textlich war ich konfuser denn je. Mir schossen Bilder durch den Kopf, die ich niederschrieb. Später wunderte ich mich, was da stand!" Da keine Band vorhanden, griff sie eigenhändig in die Saiten- und Tasteninstrumente, und heraus kam das Album "Only Everything". Einziges Relikt vergangener Bostoner Tage war das Studio, in dem sie den Tonträger aufnahm. "In Fort Apache sitzen Leute, an deren Selbstverständnis ich glaube. Sie legen Wert darauf, nur Dinge aufzunehmen, hinter denen sie auch stehen. Die geschäftige Atmosphäre und die Suche nach etwas Neuem fasziniert mich an diesen Leuten", erklärt JULIANA HATFIELD, warum sie für die Dauer der Aufnahme nach Boston zurückkehrte.
Im Vergleich zu den vorhergehenden Alben gravierend ist ein Schwerpunkt auf aggressiveren Gitarrenwänden mit einem Hauch von Riffrock in den Songstrukturen. Ihre Stärken hat JULIANA HATFIELD traditionell bei den Balladen. In der Entfaltung ihrer Stimme liegt der eigentliche Reiz ihrer Musik. "Meine Vorstellung von den Songs war sehr diffus. Ich bin sehr unsicher ins Studio gegangen. Soundmäßig haben wir sehr lange herumexperimentiert. Ich konnte nicht sagen, was ich eigentlich vorhatte. Erst beim Hören fiel mir auf: Das ist es!" erklärt sie ihr Zufallsprinzip beim Arrangieren der Stücke. Ihr erstes Soloalbum stellt sicher auch aufgrund dieser Konzeptionslosigkeit keine wesentliche Weiterentwicklung ihres bisherigen Schaffens dar. Es bleiben einfach schöne, unspektakuläre Popsongs. So, wie sie auch ihrer Mentalität entsprechen: "Das Temperament einer Frontfrau fehlt mir."