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Teilen Was Du Weißt

Jona

'VÖ. 13.9.' Hamburg, Hamburg. Immer nur Hamburg! Ganz sicher bin ich nicht, aber ich denke, dass die Fotos im Booklet beim ›Wir Sind Fucking Independent‹-Festival im Kölner Stereo Wonderland gemacht wurden. Oder rote Polohemden sind Jonas Lieblingsoberbekleidungsstücke. Aber egal, denn an jenem v
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'VÖ. 13.9.'
Hamburg, Hamburg. Immer nur Hamburg! Ganz sicher bin ich nicht, aber ich denke, dass die Fotos im Booklet beim ›Wir Sind Fucking Independent‹-Festival im Kölner Stereo Wonderland gemacht wurden. Oder rote Polohemden sind Jonas Lieblingsoberbekleidungsstücke. Aber egal, denn an jenem verschneiten Abend überraschte mich der junge Mann mit seiner Rickenbacker-Gitarre und drauf getapetem MD-Player und spielte wunderschöne Melodien mit leichtem Hang zu Melancholie, die mir ab und an Kettcar ins Gedächtnis riefen. Vor allem aber gefiel mir neben den kryptischen Texten das charmant-sympathische Auftreten. Auf der Gitarre werden Akkorde oder kleine Melodien gesportet, und alles andere liefert spielzeugmäßig der MD-Player. Doch nicht nur mir gefällt, was da aus Köln-Nippes kommt, und so wurden auch schon einige Konzerte mit den musikalischen Referenzbildern Tomte und Die Sterne gespielt. Und damit sind wir bei ›Teilen Was Du Weißt‹, der zweiten CD, auf der groß der Name Jona steht, die von niemand anderem als Frank Spilker produziert wurde. Immer noch geht es sehr spartanisch zu und lässt den Eindruck entstehen, dass sich Jona und Frank einfach einen Tag nackt ins Studio gestellt und die Platte eingespielt haben. Doch die Tour im September – die erste mit Band im Übrigen – wird hoffentlich zeigen, dass die Songs weit mehr zu bieten haben. Und ein ähnliches Konzept, also Auftritte in verschiedenen Besetzungen spielen zu können, hat ja auch bei Olli Schulz schon sehr gut funktioniert. Und wenn Köln die nördlichste Stadt der Toskana ist, dann ist Jona doch mindestens der südlichste Hamburger.
Rainer Gott

Im Jahre neun nach ›Digital Ist Besser‹, wo die immer noch unkontrolliert wuchernden Nachahmer alleine dadurch ad absurdum geführt werden, dass ihre Vorbilder sich Lichtmeilen von ihrer Vergangenheit entfernt haben. Wo aber auch andere selbst weitergedacht haben, sodass es zu so wunderbaren Bands wie Tomte und Kettcar kommen konnte. Nun, in diesem Jahre neun nach Tocotronic also beschließt ein junger Mann, sich von ebendiesen wunderbaren Bands nun seinerseits inspiriert zu fühlen. Da darf dann auch schon mal die allzu offensichtliche Hommage a.k.a. Kopie stattfinden – ›Konzert In Ehrenfeld‹, ›Morgen, Wenn Sie Dich Wegbringen‹, ›Auf Dem Balkon‹, ›Straßen, Die Du Noch Kennst‹ –, irgendwie erinnert uns das doch an was. Auch diese Noel’ige Aussprache und dieser gerade Gitarren-Schlagrhythmus. Schön und gut, aber bitte: Zur Sache, Schätzchen! Musik und Melodie plätschern seicht dahin, ohne einen Spannungsbogen aufzubauen, die Texte befinden sich in einer stabilen Umlaufbahn um den heißen Brei, anstatt wirklich wehzutun. Tomte und Kettcar dagegen: Aua. Zum Glück ist Jona mit ausreichend Selbstvertrauen ausgestattet. Als seine eigene Promoagentur zeigt er der Journaille schon mal das Weiße im Auge, um dem Unmut über die fehlende Medienpräsenz Ausdruck zu verleihen und sich selbst zu hypen. Dass viele andere dem Hype glauben – prima! Der junge Mann will ja nun wirklich nichts Böses. Und weh tut seine Musik wie gesagt ja auch nicht. Schade eigentlich.
Matthias Weber