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Zwanzig Jahre später

John Paul Jones

Nach dem unrühmlichen Ende des neben den Beatles vielleicht unsterblichsten Quartetts der Rockgeschichte wurde es allerdings recht still um Jones, der sich zunächst völlig ins Privatleben zurückzog. Schon lange vor Led Zeppelin war er ein gefragter Studio-Musiker, und mit den Zeps ist eben nur ein w
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Autor: intro.de

Nach dem unrühmlichen Ende des neben den Beatles vielleicht unsterblichsten Quartetts der Rockgeschichte wurde es allerdings recht still um Jones, der sich zunächst völlig ins Privatleben zurückzog. Schon lange vor Led Zeppelin war er ein gefragter Studio-Musiker, und mit den Zeps ist eben nur ein weiteres Kapitel seines Lebens zugeschlagen worden. Kein Grund zur Panik. Zwanzig Jahre mußte es allerdings dauern, bis John Paul Jones nun wieder mit einer Platte an den Start geht. 'Zooma', so der Titel des Comebacks der in die Jahre gekommenen Rock-Legende, ist ein orchestrales Meisterwerk. Neben einem Stück, das tatsächlich mit den Streichern der Londoner Philharmoniker eingespielt wurde, schwellen selbst die Duo-Stücke des Albums zu orchestraler Stärke an. 'Das liegt daran', erklärt Jones in ehrfurchtgebietender Bescheidenheit, 'daß ich alles als Komponist und Arrangeur angehe. Jedes Stück muß einen Anfang, eine Mitte und einen Schluß, Spannung und Erlösung haben. Alles war ausgeschrieben, nichts basierte auf Jams oder dergleichen. Wenn ich komponiere, ist das ein ganz abstrakter Vorgang. Ich befreie mich völlig von instrumentalen Vorstellungen. Andernfalls ende ich immer damit, selbst zu spielen. Ich visualisiere, was ich hören möchte, und gehe dann erst ins Studio, um die Musik in den Computer zu geben oder auf Papier zu notieren. Darauf erfolgt eine neue Visualisierung, indem ich festlege, wie das Stück klingen soll, ob es ein Solo braucht, welche Instrumente involviert werden. Komponieren und Arrangieren sind ein und derselbe Prozeß.' Die Komplexität des Albums läßt Jones' alte Kumpel Page und Plant so alt aussehen, wie sie sind. Doch wozu bedarf ein Musiker, der sich den Luxus leistet, wirklich nur dann zu arbeiten, wenn er den nötigen Druck und die dazugehörige Substanz verspürt, überhaupt noch des Verweises auf die Vergangenheit? 'Bis heute existiert kaum eine Vorstellung davon, wieviel jedes Mitglied zu Led Zeppelin beigetragen hat und inwiefern diese Band wirklich eine kollektive Leistung war. Trotzdem stellen alle Hörer des neuen Albums sofort eine Beziehung zu Led Zeppelin her. Ist doch merkwürdig, oder?' Jones lacht mit ein wenig Bitternis im Unterton. In Zukunft wird wieder mehr von ihm zu hören sein, denn er hat Spaß an diesem Projekt gefunden. Eine feste Band will er aber nicht wieder aufbauen, denn sein Verhältnis zur Demokratie in der Kunst ist gespalten. Was zählt, ist einzig die Freude an der unmittelbaren musikalischen Äußerung.