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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Please don’t pass out«

John K. Samson live in Köln

Seine Solo-Alben sind gut, aber eben nicht so unglaublich gut wie die Platten, die er mit den Weakerthans gemacht hat. Schön, dass John K. Samson einfach die Hits beider Projekte bei seinem Konzert in Köln spielt. Und schön, dass er damit nicht nur das Publikum glücklich macht.
Geschrieben am
17.5.2017, Köln, Gebäude 9  

Ist es ungerecht, zu hoffen, dass ein Musiker, der mit seinem Solo-Projekt auf Tour ist, beim Konzert ein paar Songs seiner alten Band spielt? John K. Samson hat auch alleine tolle Lieder geschrieben, die größten Hits kamen aber doch von seiner vorherigen Band, den Weakerthans. Und die fehlen doch sehr, seit sie 2015 angekündigt haben, getrennte Wege zu gehen.  

Ganz allein kommt John K. Samson heute Abend nicht nach Köln, er wird unter anderem von seiner Frau Christine Fellows begleitet, die auch das Vorprogramm bestritten hat. Es ist sehr voll im Gebäude 9 und weil es draußen warm ist, wird der Raum drinnen direkt zur Sauna. Es drängelt sich vorn ein bisschen, dann fängt John K. Samson an, ein wirklich wunderschönes Konzert zu spielen. Hoffnungen auf Weakerthans-Songs gehegt? Sie wurden erhört. Wir feiern Wiedersehen mit Virtute, der Katze und Heldin dreier Samson-Songs. Zwei davon stehen heute auf der Setlist: »Plea From A Cat Named Virtute« und »Virtute At Rest«. Außerdem spielt Samson »Sun In An Empty Room«, das er gemeinsam mit seiner Frau ganz wunderbar zweistimmig singt. Noch mehr Stimmen unterstützen ihn bei »One Great City«, da brüllt das ganze Publikum: »I hate Winnipeg«, ob die Menschen die Stadt nun kennen, oder nicht. Ein paar der schönen Solo-Songs gibt es aber auch: »Postdoc Blues« und »Vampire Alberta Blues«, zum Beispiel.
Man kann von kollektivem Verliebtsein sprechen, wenn man in die Gesichter der Menschen im Publikum schaut. Samson ist ein Charmebolzen mit seinen höflichen »Thank Yous« und vor allem mit seinem breiten Grinsen, das auf jeden ausufernden Applaus folgt. Selber vor Schweiß dampfend steht er da und fragt, ob alle genug zu trinken haben: »Please don’t pass out!« ruft er und verteilt die kleinen Wasserflaschen, die für ihn und die Band gedacht waren, vorne in der Menge. Sein Schlagzeuger geht einen Schritt weiter, greift sich eine noch halb volle Bierkiste von hinten und reicht sie vorne rum. Sehr nett und sehr unhöflich, da noch mehr Ansprüche zu stellen. Irgendwer schreit aber trotzdem: »Play ›Aside‹!«. Samson lächelt, sagt vielen Dank für die Bitte, aber »No, we don’t. We have a setlist, this is not on it«. Müssen wir uns halt mit den anderen Stücken begnügen, »Reconstruction Site«, zum Beispiel.  

Ganz am Ende, nachdem Katze Virtute sich schlafen legen durfte, gibt es noch Zugaben. Dann aber sollen wir uns draußen treffen, sagt Samson, und stimmt es doch noch an: »Aside«, hah! Die Songs sind einfach viel zu gut, um sie zu verstecken. Viel, viel zu gut. Alle Hoffnungen erfüllt und noch viel mehr, hat er, der gute Typ aus Kanada.

John K. Samson

Winter Wheat

Release: 21.10.2016

℗ 2016 John K. Samson, under exclusive license to Anti