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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Going Inside

John Frusciante

Viel erinnert hier an frühe Experimentalfilme wilder Regisseure (Wenders z. B.): alles sehr LoFi. Keine Maske, keine Bühne und nur wenig künstliches Licht. In einer Industriebrache steht ein einzelner Mann (Frusciante). Nur er, Staub, Beton und die gleißende Sonne. Um ihn herum Fabrikwände, ausrangi
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Autor: intro.de

Viel erinnert hier an frühe Experimentalfilme wilder Regisseure (Wenders z. B.): alles sehr LoFi. Keine Maske, keine Bühne und nur wenig künstliches Licht. In einer Industriebrache steht ein einzelner Mann (Frusciante). Nur er, Staub, Beton und die gleißende Sonne. Um ihn herum Fabrikwände, ausrangierte LKW-Auflieger. Kein Zeichen von anderem Leben. Die Bilder sind auf den Rhythmus geloopt und wiederholen sich immer fort: das Leben als Endlosschleife. Immer wieder in den Dreck fallen und immer wieder gegen die Wand springen. Ein Leben ohne Ziel, ohne Weiterentwicklung. Zweimal versucht er, der Isolation zu entkommen, doch führt der Ausflug in die Zivilisation zum Crash mit einem Auto, von dem nur die Stoßstange zu sehen ist. Keine Menschen, nur Maschinen. Der Unfall wiederholt sich immerfort. Selbst der Hund als bester Freund des Menschen kann ihm nicht helfen - mal abgesehen davon, dass, wenn dieser auftaucht, auch immer ein wenig grünes Gras die ausgedörrte Szenerie belebt -, auch mit ihm bleibt nur der Versuch des Weglaufens, der aber wieder im Loop endet. Einen Ausweg bildet - wer hätte das gedacht - die Musik: Im letzten Drittel des Clips ist es dunkel geworden, und Frusciante steht, von einem Spot erhellt, mit seiner Gitarre und spielt augenscheinlich Playback zum Soundtrack. Um ihn herum nur Schwärze. Hier, in seiner Musik, kann er das Bedrückende überwinden: die Loops sind durchbrochen, und er kann an der Musik entlang handeln. Zwar immer noch allein, aber in seiner Musik versunken und die Umwelt ausblendend, die ihm die vorherigen Zwänge beschert hat. Frusciante hat seinen Weg in der individualistischen Flucht gefunden. Die Bilder dazu hat sich Vincent Gallo ausgedacht, der junge (besser neue) wilde Regisseur.