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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Love Club«

Joel Sarakula

Schon wieder Yacht Rock? Ja, durchaus, aber geben Sie diesem jungen Herrn aus Australien eine Chance! Seine zeitlos elegante Musik voller Wissen um das eigene Tun und gleichzeitiger Selbstvergessenheit wird Sie nicht kaltlassen!

Geschrieben am

Vor einigen Jahren bin ich auf Joel Sarakula aufmerksam geworden, weil er eine Single veröffentlichte, die »Northern Soul« hieß und sehr überzeugend die Muster umsetzte, die dem Genre gemeinhin zugeschrieben werden. Es zeigte sich, dass Sarakula es verstand, sich auf Metaebenen zu bewegen und dennoch Leidenschaft und Dramatik auszulösen. Diese Tendenz setzt sich auf seinem neuen Album fort. Sarakula spielt mit etablierten Formen, ohne sie lediglich nachzuahmen. Stattdessen produziert Wiederholung hier vitalisierende Andersheit. Der Fokus verlagert sich von den 1960ern auf eine 1970er-Softfunk-Ästhetik. Das mag zunächst nicht sehr aufregend klingen: Nach der Welle von »Too Slow To Disco«-Compilations, die gleichwohl toll sind, hat sich das Gefühl eingestellt, dass es langsam mal genug sein könnte mit dick aufgetragener Musikalität. Aber wenn man »Love Club« hört, wird man sofort wieder von dieser perlenden, stromlinienförmigen Eleganz in den Bann gezogen, die sich so reibungslos in alle Abläufe des Alltags integrieren lässt.

Dabei verhält sich der von Sarakula entworfene Fokus von Liebe und Abenteuer konträr zu jeder Alltäglichkeit. Auf dieser Platte klingt alles nach großer, weiter Welt, inklusive Klischees. Aber jedes Klischee lässt sich immer auch als anschauliche Scharfstellung von Wirklichkeit verstehen. Und um noch mal auf die »Too Slow To Disco«-Reihe zurückzukommen: Sarakulas Songs bewegen sich hier oft sehr nah an Disco, zu »Parisian Woman« ließe sich problemlos tanzen. Das sich unmittelbar anschließende »Coney Island Getaway« kommt einem dann wie der beste Yacht-Rock-Song seit Steely Dan vor. Vielleicht ist das übertrieben, aber darin besteht die Qualität dieser Platte: Sie schafft es, kritische Distanz abzubauen, die über Musik Schreibende ja ohnehin immer begleitet, manchmal auch in nerviger Selbstüberwachungs-Manier.

Joel Sarakula

Love Club

Release: 20.04.2018

℗ 2018 Joel Sarakula Ltd