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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Ys

Joanna Newsom

Denjenigen, die Joanna Newsom aus San Francisco schon in 2004 anlässlich ihrer Debütplatte „A Milk-Eyed Mender“ kennen lernen durften, bot sich damals eine Künstlerin mit einer derart außerordentlichen und ungemein frischen Aura, dass man endlich mal wieder sagen konnte, etwas total Neues gehört und
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Denjenigen, die Joanna Newsom aus San Francisco schon in 2004 anlässlich ihrer Debütplatte „A Milk-Eyed Mender“ kennen lernen durften, bot sich damals eine Künstlerin mit einer derart außerordentlichen und ungemein frischen Aura, dass man endlich mal wieder sagen konnte, etwas total Neues gehört und gesehen zu haben. Ihre Musik stand ihrem Auftreten in nichts nach, gab sogar zusätzlich Auskunft über diese kaum 20-jährige außergewöhnliche Künstlerpersönlichkeit. Joanna Newsom spielte auf dem Album ein Dutzend Songs, fast ausschließlich auf ihrer Harfe, und sang dazu mit einer Stimme, bei der sich niemand entscheiden mochte, ob sie nun eher nach einem jungen Mädchen oder einer alten Frau klingt. Sie entpuppte sich als Künstlerin mit einer Kenntnis und Sozialisation, wie sie heutzutage kaum noch anzutreffen sind. Dass sie auch Ehrgeiz und Ambitionen besitzt, beweist ihr nicht minder schönes Zweitwerk: „Ys“ besteht nicht mehr aus vielen Dreiminütern, sondern aus fünf Stücken mit mindestens neun Minuten Spielzeit, die an Musik aus Revue und Musical erinnern. Zwar steht immer noch die Harfe im Vordergrund, dahinter aber wurde Platz geschaffen für eindrucksvoll akzentuierende Orchesterarrangements, die zum Glück nie die besonderen Charaktermerkmale der Newsom’schen Musik verwaschen. Sie wird sich die vielen Minuten für die einzelnen Songs genommen haben, um die wunderlichen und blumigen Geschichten in ihren Texten weiter auszubreiten, eine Tendenz, die schon beim Vorgänger zu erahnen war. Newsom hat an ihrer Stimme gearbeitet, sie ist kräftiger geworden und in ihrer Harmonieführung hörbar an Björk angelehnt. So ist auch „Ys“ ein Album, wie man es noch nie gehört hat und voraussichtlich auch nie mehr zu hören bekommen wird. Ein ewiges Unikat. Es ist wunderschön.