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Auf alten, aber schönen Pfaden

Jimmy Eat World live in Köln

In Köln fand vor vielen Jahren der erste europäische Gig der Emo-Rock-Profis aus Arizona statt. Doch von Erschöpfung oder Alterung keine Spur: Jimmy Eat World ziehen eine knapp zweistündige und begeisternde Show durch. Man sollte nicht meinen, dass diese Band seit 1993 existiert.
Geschrieben am
02.07.2017, Köln, E-Werk 

Vergangenes Jahr spielten Jimmy Eat World noch recht exklusiv in kleinen Clubs, nun geht es zurück auf die größeren Bühnen. Im Kölner Underground kündigte sich 2016 schon an, was sich jetzt entwickelt hat: Die Band ist zurück in ihrer alten Form, strotzt nur so vor Energie und spielt beinahe ohne Pause 25 Songs durch. Man merkt, dass sie richtig viel Lust haben und es ist die reinste Freude sich das anzuschauen – auch wenn hinterher die Kehle rostig ist. 

Das E-Werk ist schon fast voll, als die Vorband Razz aus dem Emsland mit ihrem Indie-Rock die Halle aufwärmt. Niklas Keisers tiefe Stimme ist eindrucksvoll, der geschmeidige Sound der Band liegt irgendwo zwischen Kings of Leon und Kraftklub auf Englisch. Doch als Jimmy Eat World wie immer pünktlich die Bühne betreten, ist der Laden richtig voll: Das Publikum ist gemischt, junge Fans und ältere Verehrer sind gekommen, um die Band zu sehen, deren Musik wahrscheinlich ihre Jugend geprägt hat. Dieses Mal ist die Band zu fünft, Robin Vining unterstützt sie am Keyboard. Frontmann Jim Adkins hat sein übliches Bühnenoutfit an, das schwarze Hemd. Spätestens beim enthusiastisch begrüßten zweiten Song »Bleed American« wird klar, dass hier Fans der ersten Stunde dabei sind. 

Mit »Hear You Me« zeigen die Amerikaner ihre melancholische Seite, die an diesem Abend durchaus noch mehr hätte betont werden können. Der neunte Song »Get It Faster« beschwört in rotem Licht Wut und Schweiß herauf, zu diesem Zeitpunkt ist das Hemd von Adkins auch schon sichtlich durchnässt. Darauf folgt das neue und ebenso intensive »Pass The Baby«. Der Song baut sich langsam elektronisch auf und endet schließlich in einem schrammeligen Rockabriss, der live besonders gut funktioniert. Auch das beliebte »A Praise Chorus« lässt alte Zeiten aufleben, ebenso wie die Zugabe des wahrscheinlich größten Hits »The Middle«. 

Vom weniger erfolgreichen Album »Damage« wird nur ein Song gespielt, und »Invented« wird komplett ignoriert – darum ist es aber kaum schade, denn die Setlist besteht aus altehrwürdigen Kompositionen und den besten Songs der neuen Platte »Integrity Blues«, mit der die Band wieder an alte Erfolge und Kritiken anknüpfen konnte. 

Der Kern dieses Konzertabends liegt aber in den Songs der wichtigsten Alben »Bleed American« und »Clarity«, beispielsweise »Sweetness«, »Lucky Denver Mint« oder »Blister« – das Publikum kennt sich aus und reagiert entsprechend begeistert. Bei Letzterem darf sogar Gitarrist Tom Linton einmal die Lead Vocals singen. Dass Adkins zugibt, das überaus romantische »For Me This Is Heaven« sei einer seiner Lieblingssongs, bringt die Fanliebe dann fast zum Überlaufen. 

Vielleicht ist die Herzlichkeit, die Jimmy Eat World ihrem Publikum jedes Mal entgegenbringen, der Grund, warum sie auf den Bühnen immer noch so große Erfolge feiern. Auch wenn Jim Adkins nicht allzu viel redet, bedankt er sich ausdrücklich und liebenswürdig beim Kölner Publikum, denn 1999 spielte die Band schließlich in Köln ihr erstes Europakonzert.

Setlist
01. You With Me
02. Bleed American
03. I Will Steal You Back
04. Get Right05. Lucky Denver Mint
06. Hear You Me
07. If You Don’t Don’t
08. Big Casino
09. Get It Faster
10. Pass The Baby
11. Just Tonight
12. Blister
13. It Matters
14. For Me This Is Heaven
15. Always Be
16. You Are Free
17. A Praise Chorus
18. Authority Song
19. Let It Happen
20. 23
21. Work
22. Pain
23. The Middle
24. Sure And Certain
25. Sweetness

Jimmy Eat World

Damage

Release: 07.06.2013

℗ 2013 Exotic Location Recordings, under exclusive license to RCA Records