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Von der Loveparade in die Deutsche Oper

Jimi Tenor

19.09.2006, Berlin, Deutsche Oper. Nicht ganz in, aber immerhin bis in das Foyer der Berliner Oper hat es Jimi Tenor geschafft, nachdem ihn Dr. Motte vor über zehn Jahren berühmt gemacht hatte, als er “Take Me Baby” auflegte. Tenor bot moderne klassische Musik dar, unter anderem Stücke von Edgar Var
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19.09.2006, Berlin, Deutsche Oper. Nicht ganz in, aber immerhin bis in das Foyer der Berliner Oper hat es Jimi Tenor geschafft, nachdem ihn Dr. Motte vor über zehn Jahren berühmt gemacht hatte, als er “Take Me Baby” auflegte. Tenor bot moderne klassische Musik dar, unter anderem Stücke von Edgar Varèse, Erik Satie und Pierre Boulez sowie Steve Reichs Minimal Music, die er im Rahmen der CD-Edition “ReComposed” neu bearbeitet hatte. Dies hört sich zunächst nach einem vielversprechenden Projekt an, schließlich genoss Tenor eine klassische Gesangs- und Musikausbildung. Und die Uraufführung mit 53-köpfigem Orchester schraubte zusätzlich die Erwartungen hoch, da das Album von einem klinischen Elektrosound geprägt ist. In einen glitzernden Morgenmantel gehüllt, inszenierte Tenor seine Erscheinung und nahm Platz zwischen den Frack tragenden Orchestermusikern. Auch während des Konzerts wusste sich der Finne in Szene zu setzen, indem er aus allerlei elektronischen Wunderkisten fremdartige Sounds zauberte, etwas Saxofon und Querflöte blies und auch gerne an den Reglern seines analogen Synthesizers herumspielte. Währenddessen bemühte sich das Orchester, gegen die Dominanz des Quertreibers anzukämpfen, da Tenor seine Instrumente nicht im Griff hatte und entweder zu laut war oder völlig neben dem Rhythmus lag. Lustlos schüttete Tenor seinen Kessel Buntes an Easy-Listening-Jazz über die Originalkompositionen aus und ließ diese zur Hintergrundmusik verkommen, indem er mit seinen klebrigen Melodien all die Nuancierungen der Originale zukleisterte. Schade um die “ReComposed”-Reihe, die ein äußerst lobenswertes Projekt ist. Doch bei der Auswahl der Neubearbeiter sollte man sich nicht nur auf zugkräftige Namen verlassen, da der Schein schnell verblassen kann. So auch der Jimi Tenors, der am Ende des Konzerts in seinem Glitzermantel nicht mehr wie ein Magier wirkte, sondern nur noch wie ein Clown auf der falschen Feier.